Mutschke: "Wir brauchen Hilfe im Kampf gegen Spielabsprachen"
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Der FIFA-Sicherheitsdirektor Ralf Mutschke hat auf die Bekanntgabe der Ermittlungsergebnisse Europols zu Spielabsprachen reagiert und betont, dass dieses weltweite Problem nicht vom Fussball alleine gelöst werden kann.

"Den Nachrichten von Europol heute gehen lange Ermittlungen voraus", sagte Mutschke. "Ich habe sehr deutlich gesagt, dass Spielabsprachen und -manipulationen ein weltweites Problem sind, das nicht von heute auf morgen verschwinden wird. Die FIFA und die Fussballfamilie haben sich dazu verpflichtet, dieses Problem anzugehen, doch alleine werden wir keinen Erfolg haben."

"Die Kooperation zwischen Strafverfolgungsbehörden und Sportorganisationen muss verstärkt werden. Die Unterstützung von Strafverfolgungsbehörden, Ermittlungen und letztlich härteren Sanktionen ist erforderlich, denn für Betrüger gibt es zurzeit ein geringes Risiko, aber hohe Gewinnmöglichkeiten."

Europol gab heute in Den Haag die Ergebnisse der bisher größten Ermittlung zu Spielabsprachen in Europa bekannt. Laut diesen Ermittlungen stehen 425 Schiedsrichter, Klubverantwortliche, Spieler und Kriminelle unter dem Verdacht, an illegalen Manipulationen beteiligt zu sein.

Die Ermittler gehen davon aus, das europaweit bis zu 380 Spiele von einem kriminellen Syndikat aus Asien manipuliert wurden, darunter Qualifikationsspiele für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft und die UEFA Europameisterschaft und zahlreiche Topspiele in den europäischen Ligen. Laut Europol habe es in 15 Ländern Spielabsprachen gegeben, bisher wurden 50 Personen festgenommen.

Rob Wainwright, Direktor von Europol, der Polizeibehörde der Europäischen Union, sagte: "Dies ist das Werk eines mutmaßlich organisierten kriminellen Syndikats aus Asien, das mithilfe von kriminellen Netzwerken in ganz Europa betrieben wird."

"Es ist uns klar, dass dies die bisher größte Ermittlung zu mutmaßlichen Spielabsprachen in Europa ist. Sie brachte viele Ergebnisse zutage, die unserer Ansicht nach ein großes Problem für die Integrität des Fussballs in Europa enthüllt haben. Wir haben ein ausgedehntes kriminelles Netzwerk aufgedeckt."

Rückhalt des Präsidenten
Nach der Aufdeckung dieses ausgedehnten kriminellen Netzwerks hofft Mutschke, dass die Regierungen sich mit der Fussballfamilie solidarisch zeigen und härtere Gefängnisstrafen verhängen.

"Im Fussball kann ein nationaler Verband ein Mitglied der Fussballfamilie sanktionieren, wenn es für schuldig befunden wurde, gegen den rechtlichen Rahmen im Fussball verstoßen zu haben", fuhr er fort. "Der Disziplinarcode der FIFA bietet die Möglichkeit, diese Sanktionen zu erweitern und eine lebenslange Sperre zu verhängen."

"Doch für Menschen außerhalb des Fussballs sind die zurzeit verhängten Gefängnisstrafen zu schwach und schrecken niemanden davor ab, sich an Spielabsprachen zu beteiligen."

"Die FIFA bittet darum, dass die Strafverfolgungsbehörden ihr Engagement fortsetzen und die FIFA weiterhin im weltweiten Kampf gegen Spielmanipulationen und organisierte Kriminalität unterstützen, auch wenn die Ermittlungen als komplex gelten."

In jüngsten Interviews äußerte sich FIFA-Präsident Joseph S. Blatter ähnlich wie Mutschke und sagte: "Wir arbeiten auf diesem Gebiet mit den politischen Behörden und auch mit INTERPOL zusammen. Was wir brauchen, ist Solidarität innerhalb der Fussballfamilie."

"Wenn Spieler, Trainer und Schiedsrichter von solchen Personen kontaktiert werden, sollten sie dies sofort melden und darüber aussagen. Nur dann können wir erfolgreich dagegen vorgehen."

"Außerhalb der Fussballfamilie ist es auch für die Regierungen an der Zeit, die Bedrohung durch Spielabsprachen ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zur Abschreckung zu ergreifen. Denn während ein Spieler darauf vorbereitet sein kann, eine Sperre für das Verschieben eines Spiels zu riskieren, wird er höchstwahrscheinlich nicht wünschen, eine Gefängnisstrafe zu riskieren."

"Wir müssen uns bei Regierungen dafür einsetzen, derartige Gesetze einzuführen, sowohl national wie auch grenzübergreifend, wenn möglich, indem die Länder zu diesem Problem eine gemeinsame Position einnehmen."