Valcke: "Spielabsprachen gemeinsam bekämpfen"
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FIFA-Generalsekretär Jerôme Valcke äußerte sich anlässlich einer internationalen Konferenz, bei der Vertreter aus Fussball- und Strafverfolgungskreisen zusammenkamen, zu den Gefahren von Spielabsprachen. Ziel der Zusammenkunft, die einen Meilenstein im Kampf gegen Spielmanipulationen darstellte, war das Finden praktikabler Lösungen.

Etwa 200 Delegierte aus 50 Ländern kamen in Rom zusammen, um über die von Spielabsprachen ausgehenden Bedrohungen für den Fussball zu diskutieren und Wege zu finden, deren Prävention und Ermittlung weiter zu verbessern. Die Konferenz mit dem Namen "Match-fixing: The ugly side of the beautiful game" ("Spielabsprachen: Die hässliche Seite des schönen Spiels") ist im Kampf gegen Spielmanipulationen, die weltweit unzählige illegale Wetten nach sich ziehen, ein entscheidender Schritt nach vorn.

Bei der Konferenz kam Valcke mit Ronald K. Noble und Gianni Infantino, seinen Kollegen von Interpol und der UEFA, sowie mit Giancarlo Abete, Präsident des italienischen Fussballverbands, zusammen. Die Veranstaltung zielte auf einen Schulterschluss zwischen der Fussballwelt und den Strafverfolgungsbehörden ab, wenn es darum geht, Spielabsprachen auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene zu bekämpfen.

Unter den Teilnehmern waren unter anderem Funktionäre internationaler Organisationen wie FIFPro und Sportaccord, Vertreter nationaler Fussballverbände, Integritätsbeauftragte der nationalen Fussballverbände, Spieler- und Schiedsrichtervertreter, Wettorganisationen, Behörden zur Regulierung von Glücksspiel sowie Strafverfolgungsorganisationen.

"Heute spielen weltweit fast 300 Millionen Menschen Fussball. Diese außerordentliche Popularität erlegt der FIFA Verpflichtungen auf. Zu den in den Statuten festgelegten Zielen der FIFA gehört es, die Integrität des Fussballs zu schützen. Daher hat der Kampf gegen Spielmanipulationen für die FIFA oberste Priorität", so Valcke.

"Wir müssen dafür sorgen, dass entsprechende Regelungen in Kraft sind, dass all unser Handeln transparent ist, dass unsere Entscheidungen dem Sport zugute kommen und dass diejenigen, die sich nicht an die Regeln halten, sanktioniert werden."

"Aber selbst mit allem guten Willen der Welt kann es der FIFA nicht allein gelingen, den Kampf gegen Korruption im Fussball zu gewinnen: Die Einbeziehung aller Parteien und eine gute Zusammenarbeit sind die entscheidenden Faktoren im Kampf gegen Korruption im Fussball.

"Unsere Zusammenkunft hier in Rom stellt eine Anerkennung dieser Realität dar. Nur wenn wir unsere Kräfte bündeln, können wir ein starkes Signal unumstößlichen Engagements aussenden und gegen das organisierte Verbrechen Fortschritte und Erfolge erzielen", so Valcke weiter.

Die FIFA hat eine zehnjährige Zusammenarbeit mit Interpol vereinbart, in dem gemeinsamen Bestreben, dieser Praxis entgegenzuwirken. Die Initiative will der Korruption im Sport mit einer Kombination aus Sensibilisierungs- und Schulungsprogrammen für Schlüsselpersonen und Strategien zur Ermittlung und Bekämpfung der im organisierten Verbrechen angewandten Methoden zu Leibe rücken.

"Bei Spielabsprachen geht es um Geld", so INTERPOL-Chef Noble. "Illegale Wetten, die hinter den Spielabsprachen stehen, umfassen einen Markt, der sich im Bereich von Hunderten Milliarden Euro pro Jahr bewegen soll. Schätzungen besagen, dass Buchmacher Einnahmen erzielen, die sich im selben Rahmen bewegen wie die der Coca-Cola Company."

"Kriminelle Organisationen profitieren von Spielabsprachen, sowohl durch die Gewinne, die sie versprechen, als auch durch die Geldwäschemöglichkeiten für illegale Gewinne aus anderen kriminellen Aktivitäten. Bei Spielabsprachen handelt es sich eindeutig um einen mehrköpfigen Drachen, den wir mit koordinierten Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene gemeinsam töten müssen", so Noble, der außerdem betonte, dass die Generalsekretäre von INTERPOL, der FIFA und der UEFA anlässlich dieser ersten europäischen Konferenz zum ersten Mal in der Geschichte zusammengekommen seien.

Infantino äußerte sich ähnlich, als er den Beitrag der UEFA zum Kampf gegen Spielabsprachen skizzierte. "Wir werden dieses Krebsgeschwür weiterhin bekämpfen. Mit unserem laufenden Aufklärungsprogramm für Spieler, Offizielle und Trainer, unseren ausgeklügelten Überwachungssystemen und unseren engen Verbindungen zu Strafverfolgungsbehörden und staatlichen Stellen werden wir weiterkämpfen und uns den Spielmanipulateuren unter keinen Umständen beugen."

Im Juni übernahm Ralf Mutschke, der ehemalige Interpol-Direktor und leitende Direktor des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA), den Posten des Sicherheitsdirektors bei der FIFA. In einem Interview mit FIFA.com räumte er der Prävention von Spielmanipulationen kürzlich höchste Priorität ein. "Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Vermeidung von Spielmanipulationen, und dabei ist es wichtig, dass die gesamte FIFA-Gemeinschaft mit in diesen Kampf gegen die organisierte Kriminalität einbezogen wird", erklärte er.

"Eine der wichtigsten Maßnahmen ist das FIFA Sensibilisierungs-Programm. Hier werden unter anderem Informationsgespräche vor allen FIFA-Turnieren abgehalten sowie die Top-Schiedsrichter für den FIFA Konföderationen-Pokal Brasilien 2013 und die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ für das Phänomen sensibilisiert."

"Außerdem finden in allen Konföderationen regionale sowie nationale Workshops statt, um ein einheitliches und systematisches Vorgehen zu gewährleisten. Aber das ist bei weitem nicht alles. Wir wollen demonstrieren, dass die FIFA in Zusammenarbeit mit unserem Partner Interpol eine Menge tut. Im kommenden Februar wird eine Whistleblower-Hotline eingerichtet, an die sich jeder per E-Mail wenden kann."

In Bezug auf Mutschkes neu geschaffene Sicherheitsabteilung erklärte Valcke auf der Konferenz: "Wir wollen diesen Weg fortsetzen, wir wollen unsere Anstrengungen intensivieren und ausweiten. Der Fussball ist ein Bestandteil unserer Nationalkultur und unseres Alltags. Es ist unsere Pflicht als Weltfussballverband, eine Null-Toleranz-Strategie zu verfolgen und die Fussballgemeinde zu schützen. Wir sind entschlossen, bei dieser wichtigsten aller Verantwortlichkeiten über die bloße Pflichterfüllung hinauszugehen."

Die Konferenz steht unter der Schirmherrschaft der INTERPOL-Einheit "Integrität im Sport" und ist Bestandteil der gemeinsamen Schulungs-, Ausbildungs- und Präventionsinitiative von INTERPOL/FIFA. Als Partner bei der Ausrichtung der Konferenz fungierten das italienische Innenministerium sowie die UEFA.

Präfekt Antonio Manganelli, Leiter der nationalen Polizei in Italien, erklärte: "Wir sind stolz, als Gastgeber dieser ersten europäischen Konferenz über Spielabsprachen zu fungieren, bei der die Hauptakteure aller Bereiche zusammenkommen, die in den kollektiven Kampf gegen die Netzwerke organisierter Kriminalität involviert sind, die sich am Fussball bereichern wollen. Die italienische Polizei wird sich auch weiterhin dafür engagieren, dass der Fussball und der gesamte Sport vor Korruption geschützt werden."