Mutschke: "Der Schlüssel zum Erfolg ist Prävention"
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Integrität im Sport ist das zentrale Thema einer von der FIFA und Interpol organisierten internationalen Konferenz, die an diesem Donnerstag und Freitag (17./18. Januar) in Rom stattfinden wird. Neben FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke wird auch Ralf Mutschke, Direktor der Abteilung Sicherheit bei der FIFA, einer der Hauptredner sein.

Nach sieben Monaten im Amt nahm sich Mutschke bereits vor der Konferenz ein wenig Zeit, in einer Runde mit verschiedenen Medien-Vertretern ein Fazit seiner ersten Monate als Sicherheitsdirektor bei der FIFA zu ziehen und die Strategie seiner Division in Bezug auf die Integritäts-Initiative zu präsentieren.

Der Fussball sieht sich durch Korruption und Spielmanipulation großen Gefahren ausgesetzt. Fälle aus der Vergangenheit, aber auch aktuelle Ereignisse zeigen, dass die Problematik omnipräsent ist. "Ich habe mich mit einem verurteilten Manipulator informell hier in Zürich getroffen", erklärt Mutschke, "er sagte mir gerade ins Gesicht: 'Die organisierte Kriminalität geht raus aus den ursprünglichen kriminellen Tätigkeiten hin zur Spielmanipulation, denn hier besteht ein geringes Risiko, aber sie verspricht hohe Gewinne.'"

Die Vermeidung dieser Manipulationen ist das Hauptaugenmerk von Mutschke und seinem Team. Hierbei ist es wichtig, dass die gesamte FIFA-Gemeinschaft mit in diesen Kampf gegen die organisierte Kriminalität einbezogen wird. "Dies ist mein großes Ziel, aber auch meine größte Herausforderung", sagt der ehemalige Interpol-Direktor, "die gesamte Fussball-Gemeinschaft muss gestärkt werden im Kampf gegen Korruption und Spielmanipulationen."

Eine der wichtigsten Maßnahmen ist das FIFA Sensibilisierungs-Programm. Hier werden unter anderem Informationsgespräche vor allen FIFA-Turnieren abgehalten sowie die Top-Schiedsrichter für den FIFA Konföderationen-Pokal Brasilien 2013 und die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ sensibilisiert. Außerdem finden in allen Konföderationen regionale sowie nationale Workshops statt, um ein einheitliches und systematisches Vorgehen zu gewährleisten.

"Aber das ist bei weitem nicht alles. Wir wollen demonstrieren, dass die FIFA in Zusammenarbeit mit unserem Partner Interpol eine Menge tut", erläutert Mutschke und führt weiter aus, dass im kommenden Februar eine Whistleblower-Hotline eingerichtet wird, an die sich jeder per E-Mail wenden kann. Sie soll eine Möglichkeit bieten, sich im Verdachtsfall anonym an die FIFA zu wenden, damit diese den Hinweisen nachgehen kann.

WM-Qualifikation bislang ohne Hinweise
Ein weiterer Schritt zu einem gesamthaften Konzept ist die Integration des Frühwarnsystems "Early Warning System" (EWS), das neu in der FIFA-Sicherheitsdivision angesiedelt ist. "Wir beobachten rund 1.500 Spiele pro Jahr. Dazu zählen alle FIFA-Wettbewerbe und internationale Freundschaftsspiele", erklärt Mutschke. "Momentan sind rund 50 nationale Ligen außerhalb Europas Ziel von organisierten Kriminellen auf dem Wettmarkt."

Auch die Qualifikationsspiele zum größten Fussball-Turnier der Welt stehen unter Beobachtung, wobei der 53 Jahre alte FIFA-Direktor in diesem Bereich Positives zu berichten hat: "WM–Qualifikationsspiele sind generell sehr schwer zu manipulieren, da für die Teams und vor allem die Spieler die WM alle vier Jahre das größte Ereignis ist, an dem sie unbedingt teilnehmen wollen. Aber wir beobachten natürlich diese Spiele sehr genau, bislang gab es jedoch keinerlei Hinweise auf Manipulationen. Internationale Freundschaftsspiele sind hingegen viel anfälliger für solche Aktionen."

Um im Kampf gegen diese Manipulationen stärker gewappnet zu sein, wird Mutschkes Team am Hauptsitz der FIFA und international künftig weiter verstärkt. Eine Kriminalkommissarin vom deutschen Bundeskriminalamt sowie ein Kommissar von den U.S.-Polizeibehörden verstärken das Büro in Zürich, zudem wird ein weiterer Sicherheits-Mitarbeiter in London stationiert werden.

Viele Mitgliedsnationen sind sehr interessiert an einer Zusammenarbeit mit der FIFA und traten bereits mit konkreten Anfragen an Mutschke heran. Die FIFA will diese Nationen mit dem Integritäts-Team (FIT) intensiv unterstützen und großflächig den Kampf gegen die organisierte Kriminalität aufnehmen.

"Mein großes Ziel ist es, ein weltweites Netzwerk von Integritäts-Offizieren einzurichten", erklärt Mutschke. "Der Schlüssel zum Erfolg ist die Prävention. Doch dieses Ziel können wir nur gemeinsam erreichen."