Scala: Reformprozess war die richtige Entscheidung
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Als die FIFA im Jahr 2011 entschied, ihre Governance-Strukturen einer umfassenden Reform zu unterziehen, wurde der bestehende Audit-Ausschuss als einer der zu stärkenden Bereiche identifiziert. Es wurde daher beschlossen, den Ausschuss aufzulösen und ihn durch die neue FIFA Audit- und Compliance-Kommission zu ersetzen, die erheblich mehr Verantwortung bekam. Der FIFA-Kongress ernannte auf Vorschlag der Unabhängigen Kommission für Governance einen unabhängigen Vorsitzenden.

Fünf Monate sind seitdem vergangen. Der damals eingesetzte Vorsitzende Domenico Scala zieht bei FIFA.com eine erste Zwischenbilanz. Er spricht über seine persönliche Verbindung zum Fussball, die Beweggründe für seine Arbeit, die Unterschiede zwischen den alten und den neuen Strukturen, die bislang größten Herausforderungen und seine Ziele.

Herr Scala, welche Rolle spielen Sie in dem von der FIFA eingeleiteten Reformprozess?
Die FIFA ist inzwischen eine große Körperschaft. Daher hat sie - aus meiner Sicht folgerichtig - vor eineinhalb Jahren einen Reformprozess eingeleitet, in dessen Rahmen eine ganze Reihe von Veränderungen vorgenommen werden. Zwei der wichtigsten Veränderungen wurden dabei auch vom letzten FIFA-Kongress genehmigt: Die Schaffung eines unabhängigen Ethikausschusses und die Einrichtung einer Audit- und Compliance-Kommission. Meine Aufgabe in diesem Reformprozess ist die des Vorsitzenden der Audit- und Compliance-Kommission.

Welchen Spielraum hat diese neue Audit- und Compliance-Kommission genau?
Jedes Wirtschaftsunternehmen hat Kontroll- und Aufsichtsorgane, die vom operativen Geschäft unabhängig sind. Das trifft auch auf die Audit-und Compliance-Kommission zu. Sie erfüllt mittels betrieblicher Standards eine Kontroll- und Aufsichtsfunktion gegenüber den Tätigkeiten der FIFA. Das ist die Rolle der Audit- und Compliance-Kommission.

Was ist neu gegenüber dem vorherigen Audit-Ausschuss?
Die neue Audit- und Compliance-Kommission hat einen viel größeren Verantwortungsbereich. Wir sind für sämtliche Belange der Finanzberichterstattung und der internen Kontrolle zuständig. Zudem werden wir ein Compliance-Programm einführen. Die organisatorischen Bestimmungen sehen außerdem Unterausschüsse der Audit- und Compliance-Kommission vor, die sich mit Ausgleichsleistungen befassen.

Worauf liegt in Zukunft Ihr Schwerpunkt?
Ich habe zunächst einmal versucht, die Organisation der FIFA kennen zu lernen, die sehr komplex ist, und mich entsprechend mit vielen Leuten von der FIFA getroffen. Die Audit- und Compliance-Kommission hatte schon zwei Sitzungen. In der ersten Sitzung haben wir ein Frühwarnsystem befürwortet, das wir bis Jahresende umsetzen werden. Außerdem haben wir unsere Aufgabe festgeschrieben und in die organisatorischen Bestimmungen aufgenommen, die wir kürzlich noch einmal überprüft haben. Diese organisatorischen Bestimmungen regeln im Detail, wie die Audit- und Compliance-Kommission arbeitet. Sie bedürfen noch der Zustimmung des FIFA-Exekutivkomitees. Wir werden uns auch der Entwicklungsaktivitäten der FIFA annehmen. Sie machen einen Großteil der Aktivitäten der FIFA aus. Ich habe an der letzten Sitzung der Kommission für Technik und Entwicklung Ende September teilgenommen. Wir wollen künftig auch Richtlinien für diese Entwicklungstätigkeit definieren. Ich denke also, wir haben uns in den vergangenen fünf Monaten einer Reihe von Themen angenommen.

Welchen Herausforderungen sehen Sie sich vor allem gegenüber?
Die größte Herausforderung bei der FIFA ist die Art, in der die FIFA organisiert ist. Die FIFA ist der Zusammenschluss ihrer Mitgliedsverbände, daher gehört die FIFA auch ihren Mitgliedsverbänden. Entsprechend können wir nicht einfach Bestimmungen erlassen - wir müssen die Mitgliedsverbände überzeugen. Das ist der große Unterschied zu einer privatwirtschaftlich organisierten Firma.

Halten Sie die bestehenden Revisionsverfahren der FIFA für ausreichend robust?
Ich glaube, es gibt eine Reihe von Bereichen, in denen die FIFA sogar Vorreiter ist. Die Maßgaben für die Finanzberichterstattung sind sehr hoch. Tatsächlich legt die FIFA ihre Zahlen seit 2002 nach internationalen Standards des Rechnungswesens vor und hat also in diesem Bereich eine Führungsposition. Aber es gibt auch Bereiche, in denen es Verbesserungsspielraum gibt. Das Compliance-Programm ist ein solcher Bereich, und auch der Ethikkode für sämtliche FIFA-Offiziellen ist sehr wichtig. Es gibt also Raum für Verbesserungen, aber ich denke, wir beginnen auf einem sehr guten Niveau.

Inwieweit lässt sich Ihre Arbeit für die FIFA mit Ihren früheren Aufgaben in der Industrie vergleichen?
Inhaltlich gibt es keine großen Unterschiede, weil es auch in der Industrie Grundvoraussetzung ist, sehr gute Kontroll- und Aufsichtsstandards zu haben. Die FIFA ist insofern anders, als es um Fussball geht, aber sie hat auch eine kommerziell ganz konkrete Seite mit Einnahmen und Ausgaben, und diese Einnahmen und Ausgaben müssen wie in jeder anderen Firma auch überwacht werden. In dieser Hinsicht ist es also das gleiche. Nur hat die FIFA natürlich Fussball zum Gegenstand, was viel mehr Spaß macht.

Was haben Sie persönlich mit Fussball zu tun?
Ich hatte keine früheren Verbindungen zur FIFA. Ich war auch nie Lizenzspieler. Aber wenn ich zu Hause bin, spiele ich schon jeden Samstag mit einigen Freunden Fussball.

Was hat sie letztlich überzeugt, diese wichtige Aufgabe für die FIFA zu übernehmen?
Bei der FIFA geht es um Leidenschaft, und ich glaube, dass die FIFA über Jahrzehnte eine Menge Gutes für den Fussball und für die Welt getan hat. Was die FIFA zukünftig machen kann, ist wichtig. Die FIFA muss bedenken, dass sie inzwischen eine große Körperschaft ist, die ein entsprechendes Niveau an Governance braucht. Wenn ich in diesem Bereich etwas verbessern kann, dann habe ich meiner Meinung nach einen kleinen Beitrag zur Zukunft der FIFA geleistet.