
Nach der Vorstellung des Berichts zum Thema 'Governing FIFA', stand Prof. Mark Pieth nach den einführenden Worten von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter den Journalisten am Hauptsitz der FIFA Rede und Antwort. FIFA.com fasst die wesentlichen Aussagen zusammen.
FIFA-Präsident Joseph S. Blatter
Heute ist ein wichtiger Tag für die FIFA. Alle Arbeitsgruppen, die diese Woche ins Leben gerufen wurden, haben ihre Arbeit aufgenommen. Es ist an der Zeit, eine unabhängige Kommission für Governance zu haben, und ich bin froh, Ihnen heute Professor Mark Pieth als neuen Vorsitzenden dieser Kommission vorstellen zu dürfen. Es erfüllt mich mit Stolz und Freude, dass Sie meinem und dem Ruf der FIFA gefolgt sind.
Prof. Mark Pieth
Der Bericht ist nicht das Endprodukt. Es ist lediglich der Anfang unserer Arbeit. Wir haben [am FIFA-Sitz] mit vielen Personen gesprochen. Die Bedeutung des Fussballs ist gewaltig. In den vergangenen 30 Jahren fand ein Transformationsprozess statt, der für ein Führungsorgan große Herausforderungen mit sich bringt. Als internationale Organisation muss man dem Thema 'Governance' eine höhere Bedeutung beimessen, um den Anforderungen eines großen Verbandes gerecht zu werden.
Wir haben hierfür einige Vorschläge erarbeitet. Wir würden gerne unabhängige Mitglieder in das Exekutivkomitee aufnehmen, eine klarere Unterscheidung zwischen den Kommissionen einführen, eine eindeutige Trennung zwischen Ethik- und Disziplinarkommissionen vornehmen und klar definierte Sorgfaltspflichten für die Mitglieder des Exekutivkomitees festlegen. Ferner schlagen wir auch eine Begrenzung der Amtszeit vor.
Wir haben ferner über die Option gesprochen, Mitglieder abzulehnen, wenn sie strafrechtlich in Erscheinung getreten sind. Das sind ernste Dinge. Dennoch stellt sich die Frage, wie man das angeht. Die Antworten auf solche Fragen muss die Arbeitsgruppe finden. Das wird zwar nicht jedem zusagen, aber ich mache mir darüber keine großen Sorgen. Bei diesem Prozess geht es darum, Änderungen herbeizuführen. Hierfür muss man einen klaren Schlussstrich ziehen.
Über die Vergangenheit
Es ist nie einfach, ein solches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es ist eine akribische Arbeit, die Vergangenheit zu durchleuchten. Auf der anderen Seite haben wir die Vorgaben, die uns den Weg in die Zukunft weisen. Hierfür sind natürlich andere Kenntnisse vonnöten. Wir wären zum Scheitern verurteilt, wenn wir nicht beide Gesichtspunkte in der Arbeitsgruppe berücksichtigen würden. Eine Gruppe mit verschiedenen Interessenvertretern hat ihre Vorteile, würde am Ende aber nur die Themen durcheinander werfen. Um einen Blick in die Vergangenheit werfen zu können, benötigt man Kontrollinstanzen und eine unabhängige Ethikkommission. Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung geht es uns zunächst darum, Leute davon zu überzeugen, bestimmte Dinge zu machen. Ich muss mich entscheiden, ob ich zurückblicke oder nach vorne schaue. Ich persönlich entscheide mich für den Blick nach vorne, während andere eher in die Vergangenheit schauen. Man muss die Vergangenheit indes im Auge behalten, um sicher zu gehen, dass man einen realistischen Weg in die Zukunft einschlägt.
Über das Mandat
Menschen, die über einen längeren Zeitraum in einer Gruppe zusammenarbeiten, werden zu Freunden und verdanken sich gegenseitig viel. Zukünftig sollten wir uns die Frage stellen, wie lange man solche Aufgaben übernehmen sollte. Hierfür benötigen wir aber im Vorfeld Kenntnisse über die Organisation. Hier muss man folglich abwägen.
Über seine Vergütung
Einige würden das unentgeltlich machen. Wir können das aber nicht anbieten. Natürlich machen wir auch unentgeltliche Arbeit. Das ist aber kein Ort für eine ehrenamtliche Tätigkeit. Prüfer müssen bezahlt werden. Wer die Einhaltung der Vorschriften überprüft, das Unternehmen aufräumt und mit diesem das Gespräch sucht, leistet eine seriöse und professionelle Arbeit. Der größte Teil der Aufwendungen fließt aber in eine weitere Nicht-Regierungsorganisation, das Baseler Institut.
Über die Selbstverpflichtung der FIFA
Aus rechtlicher Sicht organisiert sich die FIFA selbst. Sie müssen aber von bestimmten Dingen überzeugt sein. Wir können sie nicht zwingen, bestimmte Dinge zu ändern. Die unabhängige Kommission für Governance erfüllt eine beratende Funktion. Sie setzt sich aus erfahrenen Personen und Interessenvertretern zusammen, die wissen, wovon sie reden. Es ist also ein System, das über gegenseitige Kontrollmechanismen verfügt.
Über den Zeitrahmen
Das ist ein längerer Prozess, was ich hier noch einmal betonen möchte. Wir werden die Dinge nach und nach bewerten. Ich habe dieses Komitee ins Leben gerufen. Hinzu kommen noch einige Personen, die mit mir zusammenarbeiten. Ich stelle die Optionen und die Verfahrensweise vor. Am 17. Dezember werden wir dann die genaue Zusammensetzung der Gruppe kennen. Im März werden wir unsere Ergebnisse dem Exekutivkomitee vorlegen. Wenn rechtliche Änderungen herbeigeführt werden sollen, muss dies auf dem Kongress im Sommer 2012 geschehen. Die FIFA hat sich selbst ein Jahr gegeben, um dieses Reformszenario umzusetzen. Das sind sehr komplizierte Dinge. Ich bin aber überzeugt, dass die FIFA es richtig machen wird.



