Keine Rechtfertigung der Bestechung
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Die Zürcher Zeitung "Tages-Anzeiger" kritisierte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter scharf, sagte dann eine Replik zu und verweigerte sie der FIFA schliesslich wieder. Hier der Text, der nicht hätte veröffentlicht werden sollen.

Von Walter de Gregorio

Der "Tages-Anzeiger" hat gestern FIFA-Präsident Sepp Blatter heftig attackiert. Das Blatt berichtete auf der Front unter dem Titel "Sepp Blatter rechtfertigt Bestechungen bei der Fifa" über die FIFA-Bestechungsaffäre. Die Baslerzeitung hatte bereits am Donnerstag über die veröffentlichte Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug berichtet, die wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gegen die FIFA und deren brasilianische Funktionäre João Havelange und Ricardo Teixeira ermittelte. Die FIFA bat den "Tages-Anzeiger" um eine Erwiderung auf dessen gestrigen Artikel, was dieser jedoch ablehnte. Diese Replik erscheint darum heute in der Basler Zeitung.

"Qui s’excuse s’accuse. Allein dieser Satz verbietet es, weiterzuschreiben. Doch lässt die Schlagzeile auf der Titelseite des gestrigen "Tages-Anzeigers" keine andere Option zu, hiermit ein paar Dinge unmissverständlich klarzustellen. "Sepp Blatter rechtfertigt Bestechung bei der Fifa", titelte der Tagi gestern Freitag auf der Front. Das ist Blödsinn. Der FIFA-Präsident hat Bestechung nie gutgeheissen, er wird es auch in Zukunft nicht tun und solche Delikte nie rechtfertigen. Im Interview auf Fifa.com, auf das sich der Tagi beruft, erklärte Blatter: "Man kann die Vergangenheit nicht mit den Massstäben von heute messen. Sonst endet man bei der Moraljustiz." Genau dort, wo der Tagi gestern mit seiner Berichterstattung zu landen droht.

Man lernt aus Fehlern
Festzuhalten, dass sich die Rechtslage in der Schweiz verändert hat, ist keine Meinung, sondern eine Tatsache, die weder irgend etwas entschuldigen noch rechtfertigen soll. Aber man kann und darf den Kontext nicht ausser Acht lassen, wenn man sich anschickt, die Vergangenheit zu beurteilen. Dass der Tagi versucht, dem FIFA-Präsidenten daraus einen Strick zu ziehen, ist unlauter. Rechtfertigen impliziert gutheissen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Seit dem FIFA-Kongress vom Juni 2011 in Zürich sind entscheidende Schritte unternommen worden im Reformprozess, der nächste Woche eine weitere wichtige Hürde nehmen wird. Das Exekutivkomitee der FIFA wird zwei unabhängige Vorsitzende für die Ethikkommission ernennen, die neu aus zwei Kammern bestehen wird. Eine Grundbedingung des von Professor Pieth geleiteten IGC (Independent Governance Committee), um die Verbandsjustiz zu stärken. Das alles ist letztlich eine Konsequenz aus dem ISL-Fall. Will heissen: Man lernt aus den Fehlern, es wird versucht, die Strukturen anzupassen, die mit dem Tempo des Fussballs nicht mithalten konnten. Der unglaubliche Erfolg der FIFA ist, paradoxerweise, das Problem. Aus einem beschaulichen Verein ist ein Milliardenunternehmen geworden, dank dem Siegeszug des Fernsehens. Aber auch dank Sepp Blatter.

1,3 Milliarden Franken Reserven
Heute hat die FIFA Reserven von 1,3 Milliarden Franken. Allein die Zahl erzeugt Neid, Missgunst, Verdächtigungen. Wie ist das möglich? Es ist möglich, weil der Fussball populär ist und offenbar nicht ganz falsch geführt wurde in den letzten Jahren. Aber zurück zu ISL. Es war die FIFA, die auf Veranlassung Sepp Blatters 2001 Strafanzeige erstattete und damit erst den Fall ins Rollen brachte. Auf Initiative von Sepp Blatter wurde 2006 schliesslich auch die Ethikkommission gegründet. Und es ist einmal mehr der FIFA-Präsident, der die treibende Kraft hinter dem jetzigen Reformprozess ist. Eine unabhängige Auditund Compliance-Kommission ist bereits eingesetzt, die Zweiteilung der Ethikkommission in eine untersuchende und eine richterliche Kammer beschlossen. Doch das interessiert nicht, denn es geht um anderes. Darum nämlich, dass FIFA-Bashing en vogue ist. Wer die FIFA kritisiert, steht nicht im Gegenwind. Der kollektive Applaus ist garantiert. Hier müsste eine differenzierte Berichterstattung als Korrektiv eingreifen.

Der Tagi hat das gestern versäumt. Das Bundesgericht bestätigte diese Woche, dass Sepp Blatter weder aktiv noch passiv korrupt ist. Er hat kein Schmiergeld genommen und keines verteilt, nie. Genau das wurde ihm jahrelang vorgeworfen. Man hätte auch daraus eine Schlagzeile machen können. Es wäre allerdings eine positive gewesen und somit kein Thema für die Front. Stattdessen ist diese entscheidende Tatsache dem Tagi nur eine Randnotiz wert. Harte Kritik ja, aber sachlich, ausgewogen und fair müsste das Leitmotiv einer Qualitätszeitung sein. Gestern wurde der Tagi diesem Anspruch nicht gerecht."

* Walter de Gregorio ist Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Weltfussballverbands FIFA.