Attal: "Der palästinensische Fussball hat sich enorm entwickelt"
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Fahed Attal ist zwar mit seinen 27 Jahren noch recht jung, doch er wird bereits mit Fug und Recht als Legende des palästinensischen Fussballs bezeichnet. Der überaus talentierte Stürmer ist der erfolgreichste Torjäger in der Geschichte der palästinensischen Nationalmannschaft und eine Symbolfigur der Nation, die um die Entwicklung des Fussballs kämpft. Attal sprach mit FIFA.com über seine Ambitionen und Hoffnungen für Palästina und die allgemeine Entwicklung des Fussballs.

Können Sie uns etwas darüber erzählen, wie Ihre Karriere begann und sich entwickelt hat? Wie wurden Sie entdeckt?
Meine Karriere begann im Jahr 2000 beim Klub Islamic Qalqilya. 2005 wurde ich erstmals in die Nationalmannschaft berufen. Damit wurde ich auch international bekannt und konnte meine Karriere als Profi im Ausland fortsetzen. Ich habe fünf Spielzeiten in Jordanien gespielt, vier davon für Al-Jazeera Aman und eine für Al-Wihdat Ammam. In dieser Zeit habe ich eine ganze Reihe Titel gewonnen. 2006 wurde ich von der asiatischen Fussballkonföderation als einer der Kandidaten als AFC-Fussballer des Jahres nominiert. Beim AFC Challenge Cup wurde ich Torschützenkönig und außerdem zum besten im Ausland aktiven palästinensischen Spieler gewählt. Ich habe an mehreren herausragenden Turnieren und Qualifikationswettbewerben teilgenommen, darunter der Asien-Pokal, die FIFA Fussball-WM und die Westasien-Meisterschaft. Dann kehrte ich in die Heimat zurück, schloss mich Shabab Al Khaleel (Hebron) an und spiele seitdem hier in der Premier League der West Bank. Im vergangenen Jahr sind wir auf Platz zwei gelandet. Dieses Mal wollen wir den Titel holen!

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Spieler, und was Ihr schlechtestes?
Meine schönste Erinnerung ist ein Tor, das ich für die Nationalmannschaft gegen Singapur geschossen habe. Die schlechtesten Erinnerungen sind Verletzungen – wie bei jedem anderen Spieler auch. Leider habe ich mich vor kurzem ziemlich schwer verletzt.

Was sagen Sie zur aktuellen fussballerischen Entwicklung? Die FIFA engagiert sich sehr für die Förderung und die Entwicklung des Fussballs. Spielt der Weltfussballverband dabei also eine wichtige Rolle?
Die FIFA leistet einen wichtigen Beitrag, indem sie den regulären Spielbetrieb in den Ligen fördert, die Regeln überwacht, den Frauenfussball fördert und vieles mehr. Dies alles macht die Entwicklung des Fussballs greifbar. Die FIFA hat insbesondere zur Förderung des Fussballs in Palästina beigetragen, beispielsweise durch den Bau von Spielfeldern. Dies sorgt dafür, dass immer mehr Menschen aktiv spielen und es bedeutet außerdem einen großen Schub für die Nationalmannschaft und die Klubs vor Ort. Auch durch Kurse und Seminare für Trainer und Schiedsrichter leistet die FIFA einen wichtigen Beitrag. Sie trägt dazu bei, den Fussball weiter zu stärken.

Der palästinensische Fussball hat sich in den vergangenen Jahren stark weiter entwickelt. Welche weiteren Verbesserungen sind in Zukunft nötig?
Der palästinensische Fussball hat sich enorm entwickelt. Wir können mittlerweile mit anderen Ländern in Asien und der arabischen Welt mithalten. Die größten Probleme des palästinensischen Fussballs sind die mangelnde Reisefreiheit unserer Spieler, die sich nicht frei bewegen können, und das Fehlen von Infrastruktur. Es müssen solide Strukturen aufgebaut werden, um jüngeren Spielern zu helfen.

Können Sie uns die größten Probleme nennen, die überwunden werden müssen, sowohl in sportlicher wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht?
Als professioneller Spieler denke ich, dass die größte Herausforderung darin besteht, den palästinensischen Fussball durch technische und spielerische Entwicklung auf ein professionelles Niveau zu bringen und dabei gleichzeitig die kreativen und unterhaltsamen Aspekte des Fussballs zu bewahren. Palästinensische Spieler blicken mit Sorge in die Zukunft, denn als Profi zu spielen, ist keine Garantie für ein regelmäßiges Einkommen. Die Spieler müssen ihr Einkommen daher aus anderen Jobs erzielen und das wirkt sich unweigerlich auf ihre sportlichen Leistungen aus.

Was halten Sie vom Frauenfussball?
Frauenfussball ist in Palästina noch eine recht neue Erscheinung. Ich persönlich ermutige dazu. Die palästinensische Frauen-Mannschaft ist stark, doch sie braucht unbedingt Unterstützung, um sich entwickeln zu können. Die Mannschaft spiegelt die Entwicklung Palästinas wider.

Der eine oder andere ehemalige Profi versuchte sich im Beach Soccer. Haben auch Sie es mal mit dieser Disziplin versucht?
Ich selbst habe noch nie Beach Soccer gespielt, aber viele meiner Kameraden spielen, insbesondere im Gaza-Streifen, wo es Strände gibt, an denen man trainieren kann. Es wurde auch eine Nationalmannschaft gebildet, die wichtige Erfolge einfährt.

Auch Futsal verbreitet sich in allen Teilen der Welt. Was halten Sie von dieser rasanten Verbreitung?
Für mich ist Futsal ein sehr schönes Spiel, das mir großen Spaß macht. Es gibt zwar Futsal in Palästina, aber er benötigt mehr Beachtung und die erforderliche Infrastruktur.

Sie sind der erfolgreichste Torjäger in der Geschichte der palästinensischen Nationalmannschaft. Was ist das für ein Gefühl?
Ich bin sehr stolz und zufrieden damit, allerdings sehe ich das eher als kollektiven und nicht nur als persönlichen Erfolg. Mein Land zu vertreten, ist eine große Ehre und eine enorme Motivation für mich.

Ihre Karriere hat Sie zu zahlreichen verschiedenen Klubs geführt. Der Fussball hat sich in dieser Zeit stark weiter entwickelt. Welchen Eindruck haben Sie heute vom Spiel?
Die Wahrnehmung eines Spielers ändert sich durch die individuellen Erfahrungen in den verschiedenen Klubs. Ich habe gelernt, dass ein echter Profi vielseitig und sowohl körperlich belastbar wie auch technisch beschlagen sein muss.

Wie kann ein junger Spieler ähnliche Erfolge erreichen wie Sie?
Wer Fussballprofi werden möchte, muss die Chancen nutzen, die ihm das Leben bietet. Man muss ständig an sich weiter arbeiten. Ein professioneller Spieler muss sein Talent und sein Können nutzen, um seine Spielweise immer weiter zu entwickeln. Und natürlich muss er auch von anderen Spielern lernen.

Sie sind für viele junge Spieler ein Vorbild. Wer waren eigentlich Ihre Idole, als Sie jung waren? Wer hat Sie inspiriert?
Ich habe mich von Beginn an immer an meinem Trainer Azmi Nassar orientiert. Er hat mein fussballerisches Talent entdeckt und mich trainiert, so dass ich mein Können erweitern konnte. Wenn ich später selbst einmal Trainer werde, dann werden seine Einflüsse auf meine Sichtweise des Fussballs eine sehr wichtige Stellung einnehmen.

Worin bestehen Ihrer Ansicht nach die größten Unterschiede zwischen dem Profi- und dem Amateursport?
Es gibt sehr große Unterschiede zwischen Profisport und Amateursport. Da ist natürlich zuallererst der finanzielle Aspekt. In zahlreichen Ländern gibt es keine Profiligen, weil das Geld fehlt. Es gibt zwar enormen Bedarf, doch Projekte im Profisport können nicht gelingen, wenn die Gehälter zu niedrig sind und dann auch noch verspätet ausgezahlt werden. Diese Hindernisse stehen der Entwicklung des Profifussballs im Weg. Zudem sind die Spieler komplexen Gesetzen und Reglements unterworfen. Im Amateurfussball hingegen spielt man ohne all diese Probleme, einfach nur zum Spaß.

Wenn Sie auf Ihren Weg vom jungen Amateursportler zu einem der Eckpfeiler der Nationalmannschaft zurückblicken, was würden Sie gern anders machen?
Ein Profifussballer steht in seiner Karriere immer wieder vor schwierigen Entscheidungen und Problemen. Daher sollten alle Spieler lernen, sich zu entwickeln und sich selbst und ihre Schwächen gut kennen. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit zum Trainieren und zum Verbessern meines Könnens gehabt.

Können Sie sich vorstellen, sich selbst in der Förderung und Entwicklung des Fussballs an der Basis zu engagieren?
Ich habe bei meinen verschiedenen Klubs viele Erfahrungen gesammelt und lerne noch heute jeden Tag etwas dazu. Ich kann mir durchaus vorstellen, diese Erfahrungen später an andere Spieler weiterzugeben, vielleicht durch die Entwicklung von Übungen zur Verbesserung der Technik oder als Manager oder als Fussballtrainer für Kinder.