Marta: "Deutschland liebt den Frauenfussball"
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Marta gehört nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch zu den besten Fussballerinnen der Welt. Für viele Experten ist sie sogar die Beste. Wer sie einmal hat spielen sehen, dem wird schell klar, warum die Brasilianerin bereits zum neunten Mal hintereinander für die Wahl zur FIFA Weltfussballerin des Jahres nominiert war. Fünfmal konnte sie die Trophäe mit nach Hause nehmen und lässt damit selbst Lionel Messi noch blass aussehen.

"Es ist immer etwas Besonderes, nach Zürich zu kommen", so Marta im exklusiven Interview mit FIFA.com. "Es ist genau die Situation, sie sich jeder Profi-Sportler ausmalt: Nach einer harten und langen Saison dazu in der Lage zu sein, eine so hochkarätige Auszeichnung entgegen nehmen zu können."

Marta, die derzeit für Tyresö FF auf dem Platz steht, weiß wovon sie spricht, denn dramatischer hätte die Saison in der schwedischen Damallsvenskan kaum enden können. Bis zum letzten Spieltag hatte Malmö den Titel-Hattrick fest im Blick, um dann am Ende doch noch von Tyresö abgefangen zu werden. Am letzten Spieltag behielt Tyresö im direkten Duell die Oberhand und bescherte Marta und ihren Teamkolleginnen den ersten Meistertitel überhaupt.

Emotionale Momente in Schweden
"Die Chance zu haben, in die schwedische Liga zurückzukehren, und für eine Mannschaft zu spielen, die erst 2009 wieder in die erste Liga aufsteigen konnte, war ein ganz besonderer Moment für mich. Diese letzte Partie [gegen Malmö] war an Spannung kaum zu überbieten. Es ist schon lange her, dass ich etwas so Großartiges erleben durfte. Die Art und Weise, wie die Menschen auf den Rängen durchdrehten und wie die Spielerinnen gefeiert haben, war auf jeden Fall mein Highlight des Jahres 2012", beschreibt die 27-Jährige den Moment des Titelgewinns.

Die schwedische Liga ist keine Unbekannte für die Ausnahmestürmerin. Bereits von 2004 bis 2008 stürmte sie für Umea IK von Meisterschaft zu Meisterschaft, um anschließend den Sprung über den großen Teich zu wagen und in den USA für Furore zu sorgen. "Der Unterschied zwischen den Ligen in Schweden und den USA ist nicht so groß. Wir spielen auch in Schweden auf einem hohen Niveau, der Wettbewerb ist hart. Die Art und Weise, wie in beiden Ländern Fussball gespielt wird, ist sehr ähnlich: hart umkämpft, draufgängerisch und sehr körperbetont", fasst sie die Besonderheiten beider Ligen zusammen.

Und auch die deutsche Bundesliga hat für sie einen hohen Stellenwert. "Es hat vor ein paar Jahren einige Angebote gegeben", erzählt Marta mit einem Schmunzeln. "Es ist auf jeden Fall ein große Liga und gehört für mich, gemeinsam mit der schwedischen, zu den stärksten Ligen überhaupt. Deutschland ist ein Land, das den Frauenfussball liebt - und ist sicherlich eine gute Option."

Blicke nach Kanada gerichtet
Es gibt wohl kaum einen Zweifel daran, dass Marta zu den talentiertesten und brillantesten Spielerinnen der Welt zählt. Doch mit der brasilianischen Nationalmannschaft wartet sie nach wie vor auf einen großen Titel. Bei der FIFA Frauen-WM 2011 kam das Aus in der Runde der letzten Acht, und auch beim Olympischen Fussballturniers 2012 war nach dem Viertelfinale Schluss. Zwei bittere Niederlagen.

"Ich war mit unserer Leistung überhaupt nicht zufrieden. Nicht mit mir, den Spielerinnen und dem Trainerstab. Wir wollten wirklich weit kommen und um eine Medaille kämpfen, doch dies blieb uns verwehrt. Aber wir wissen, dass wir mit einer so talentierten Mannschaft wie Brasilien weitere Chancen bekommen werden", zeigt sie sich kämpferisch und ergänzt: "Wir müssen jetzt hart arbeiten, um die nächsten Turniere erreichen zu können. Ganz speziell die [FIFA] Frauen-WM 2015 in Kanada. Wir werden besser vorbereitet sein als in London."

Ein großes Ziel vor Augen
Ob sich der Frauenfussball in Brasilien auf dem richtigen Weg befindet, ist für Marta schwer zu beantworten. "Es ist kompliziert darüber zu sprechen. Brasilien richtet sein Augenmerk auf den Frauenfussball, wenn ein großes Turnier ansteht. Aber sobald dieses vorbei ist, gerät er ins Abseits. Wir bewegen uns schrittweise vorwärts und kommen auch auf diesem Wege voran. Aber diese Entwicklung ist zu langsam."

Es ist diese Energie, gepaart mit einer riesigen Portion Talent, die Marta zu der Spielerin geformt hat, die sie heute ist. Viele junge Mädchen auf der ganzen Welt blicken zu ihr auf und wollen ihr nacheifern. Und diesen Nachwuchstalenten will Marta auch in diesem Jahr wieder zeigen, warum sie zur Crème de la Crème des Frauenfussballs zählt. "Ich möchte weiter hart arbeiten, in einer wettbewerbsfähigen Liga spielen und großartige Partien absolvieren, so dass ich für die nächste Gala nach Zürich zurückkehren kann."