Neid: "Es wird keinen Zickenkrieg geben"
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Im Gespräch mit den anwesenden Medienvertretern stellte sich Silvia Neid, Bundestrainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, den Fragen der Journalisten.

Frau Neid, am Mittwoch treten Sie mit den deutschen Fussballerinnen in Frankreich an. Es ist der Auftakt ins EM-Jahr. Welchen Eindruck haben Sie von Ihren Spielerinnen?
Mein Eindruck von unseren Spielerinnen ist für die Jahreszeit ganz gut. Sie haben erst wenige Spiele in der Bundesliga gemacht, das merkt man natürlich. Aber sie sind engagiert bei der Sache. Ich bin sehr zuversichtlich für das Spiel.

Sie haben im letzten Länderspiel des vergangenen Jahres auch gegen Frankreich gespielt. Damals endete das Spiel gegen den WM-Vierten 1:1. Welche Schlüsse haben Sie aus der Partie gezogen.
Wir haben das Spiel analysiert. Im Angriffsspiel war die Fehlerquote zu hoch. Das hat uns nicht so gut gefallen. Im Abwehrverhalten fehlte ein bisschen die Aggressivität. Das wollen wir am Mittwoch besser machen.

Sie haben in den vergangenen Monaten einen Umbruch eingeleitet. Auch aufgrund der Verletzungen von vier Spielerinnen haben Sie nun ein ganz junges Team versammelt. Wie ist diese neue Generation?
Die Mannschaft ist knapp 24 Jahre im Schnitt. Ich denke, das ist die jüngste, die ich jemals hatte. Diese Generation ist sehr lieb. Manchmal würde ich mir sogar wünschen, dass sie auch mal etwas Verbotenes machen. Die Spielerinnen sind sehr lernwillig, sehr intelligent. Es macht Spaß mit der Truppe.

Die EM-Endrunde steht vom 10. bis 28. Juli in Schweden auf dem Programm. Die deutsche Mannschaft ist der Titelverteidiger. Wie wollen Sie die Zeit bis zum Turnier nutzen?
Wir wollen uns in den kommenden Monaten finden. Wir wollen schauen, wer zu wem passt. Die direkte EM-Vorbereitung geht im Juni los. Wir wollen bis dahin sehen, wo unsere Schwächen liegen und woran wir intensiv arbeiten müssen. Wir werden bis zum USA-Spiel am 5. April im Tor abwechseln. Gegen Frankreich wird auch im Feld die ein oder andere Spielerin zum Einsatz kommen, die sonst vielleicht nicht spielt. Wir wollen uns einen Überblick verschaffen. Ich gewinne zwar gerne, aber ich muss nicht auf Teufel komm raus diese Spiele gewinnen. Es ist wichtiger, Erfahrung auf allen Ebenen zu sammeln.

Warum wollen Sie in den kommenden sechs Spielen im Tor zwischen Stammtorhüterin Nadine Angerer und Ersatzkeeperin Almuth Schult abwechseln?
Wir brauchen auch eine Ersatztorhüterin mit Erfahrung, falls sich Nadine verletzen sollte. Nadine ist noch die bessere Torhüterin, aber Almuth ist auf einem guten Weg. Sie ist nicht mehr so weit weg wie vor einem Jahr.

Befürchten Sie nicht einen Zickenkrieg zwischen Angerer und Schult?
Es wird sicher keinen Zickenkrieg zwischen den beiden geben. Das schließe ich aus, beide können sich richtig gut leiden.

Bei den Männern gibt es auf der Torwart-Position sehr viel Auswahl. Wie sieht es bei den Frauen aus?
Ich würde mir wünschen, dass ich mehr Auswahl im Tor hätte. Bei den Juniorinnen ist es nach wie vor so, dass oftmals die ins Tor gestellt werden, die im Feld nicht so gut sind. Zudem gibt es bei den kleinen Vereinen oft keine Torwart-Trainer. Unsere Situation ist also nicht so komfortabel wie im Männerbereich. Aber wir arbeiten beim DFB intensiv an einer Verbesserung der Lage.

Wer zählt für Sie zu den EM-Favoriten?
Wir sind immer in der Favoritenrolle. Aber Schweden und Frankreich gehören sicher auch zu den Favoriten. Dazu kommt England. Ich warne auch davor, Norwegen zu unterschätzen. Auch Italien ist immer unberechenbar.