Wambach: "Will mich immer wieder herausfordern"

Während 2011 noch das Jahr der zweiten Plätze war, kann man 2012 ohne Umschweife als eines der erfolgreichsten in der Karriere der U.S.-Amerikanerin Abby Wambach bezeichnen. Mit der Nationalmannschaft setzte sie sich im Finale des Olympischen Fussballturniers der Frauen in London gegen Japan durch. Auch bei ihrer Nominierung zur FIFA Weltfussballerin musste die 32-Jährige dieses Mal niemandem den Vortritt lassen und durfte die Auszeichnung mit nach Hause nehmen.

"2012 war auf jeden Fall besser, als das Jahr der zweiten Plätze", erläutert Wambach lachend im exklusiven Interview mit FIFA.com. "Immer wenn man gewinnt, dann fühlt man eine Bestätigung der harten Arbeit, der Opfer, die man gebracht und der blutigen Tränen, die man geschwitzt hat. Es fühlt sich richtig an und macht einem deutlich, dass man das Richtige tut", so die Starstürmerin weiter.

Es ist diese ausgeprägte Grundhaltung, niemals aufzugeben, immer an sich zu glauben und hart an sich zu arbeiten, die Wambach zu einer der Besten ihres Fachs macht und die auch die Frauennationalmannschaft der USA auszeichnet. Nach der Niederlage im WM-Finale gegen Japan den Kopf in den Sand stecken? Weit gefehlt!

Der Spaß darf nicht zu kurz kommen
"Jedes neue Jahr beginnt mit einer Zielsetzung, und 2012 drehte sich alles ums Gewinnen. Es ging nicht um Wiedergutmachung, es ging darum, ein Ziel zu erreichen, das wir im Kopf hatten. Die WM 2011 hat ein Feuer entfacht, das weiter in uns loderte. Das gemeinsame Ziel hat uns vereint, und wir waren erfolgreich. Ich könnte nicht glücklicher und stolzer auf mein Team sein, denn es war nicht einfach bei den Olympischen Spielen. Wir mussten in jedem Spiel unser Bestes geben, und am Ende war auch ein bisschen Glück beteiligt."

Ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das die Stars & Stripes nicht nur auf dem Feld, sondern auch außerhalb des Platzes zeigen. Dass Wambach und Co. darüber hinaus auch über eine große Portion Humor verfügen, zeigten sie in einem lustigen Video Party in the USA, dass im Internet für einige Lacher sorgte. "Wir habe ein albernes Video gemacht, dass sich vor den Olympischen Spielen im Netz verbreitete. Wir wollten etwas Eigenwerbung machen und der Welt zeigen, wie wir sind. Auf dem Spielfeld sind wir alle konkurrenzfähig, aber wir müssen auch loslassen und in den anderen Bereichen unseres Lebens Spaß haben", erzählt die sympathische Ausnahmespielerin mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Aber auch Wambach weiß, dass mit dem Gewinn eines großen Turniers, bereits das nächste Großereignis seine Schatten voraus wirft. "Wir sind Goldmedaillengewinner. Die Ironie, wenn man ganz oben steht, ist, dass du noch härter arbeiten musst. Du setzt dir sofort neue Ziele. Die Minute, in der du das Siegerpodest verlässt, ist die Minute, in der du mit der Vorbereitung auf die nächste Weltmeisterschaft beginnst. Du feierst für einen kurzen Moment und dann geht es weiter. So funktioniere ich."

Neue Herausforderungen in der Liga und Nationalmannschaft
Bevor die U.S.-Amerikanerin mit der eingebauten Torgarantie bei der FIFA Frauen-WM 2015 in Kanada jedoch um den Titel kämpfen kann, stehen 2013 erst einmal neue Herausforderungen an. In der neu gegründeten U.S.-Frauenprofiliga NWSL wird Wambach, nach zweijähriger Vereinslosigkeit, für Western New York Flash auf Torejagd gehen.

"Ich freue mich auf den Start der neuen Liga. Wir wissen, dass wir es schaffen können. Es muss nur in der richtigen Art und Weise getan werden. Wir haben in den letzten Wochen viel gelernt und versuchen die Ratschläge anderer Ligen auf der ganzen Welt anzunehmen. Ich hoffe, dass ich privilegiert bin, in einer Liga zu beginnen, die viele Jahre Bestand hat“, so Wambach.

Doch auch in der Nationalmannschaft warten neue Anforderungen auf die amtierende Weltfussballerin. Knapp drei Wochen nach dem Olympia-Sieg in London hatte Pia Sundhage ihren Abschied von der Frauen-Nationalmannschaft der USA verkündet, und im Januar 2013 übernahm Tom Sermanni den Posten als Nationaltrainer. Kurz vor Weihnachten konnte sich Wambach ein erstes Bild von ihrem neuen Coach machen und zeigte sich begeistert.

"Ich denke, er wird großartig sein. Ich kann noch nicht genau sagen, wie oder was, da wir bisher noch kein Training hatten. Wenn jemand Neues kommt, ist das immer gut. Als Wettkämpferin möchte ich immer wieder ein neues Kapitel aufschlagen und mich selbst immer wieder herausfordern. Manchmal, wenn man einen Trainer oder Teamkollegen zu lange hat, ist man in bestimmten Routinen gefangen. Ich denke, dass es gut ist, die Dinge ein wenig wachzurütteln. Für mich als ältere Spielerin ist es gut, sich im Hinblick auf Fitness und Engagement neu zu motivieren. Unter einem neuen Trainer fühlt man sich nicht so behaglich und muss sich neu beweisen. Es wird interessant zu sehen sein, was passiert", freut sich die 198-malige Nationalspielerin, für die nun ein neuer Abschnitt in ihrer langjährigen Karriere beginnt.