Wambach: "Pia coacht mit dem Herzen"

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen des Frauenfussballs und fand bei der Gala FIFA Ballon d'Or 2012 ihren Höhepunkt, als die beste Spielerin und Trainerin im Frauenfussball gekürt wurden. Mit Abby Wambach und Pia Sundhage, die 2012 gemeinsam mit den USA Olympisches Gold gewinnen konnten, nahmen zwei absolute Größen ihres Fachs diese individuellen Auszeichnungen entgegen.

Es sind jedoch nicht nur die großen Erfolge, die Sundhage und ihre Spielerinnen verbindet. Das wurde den anwesenden Zuschauern spätestens bewusst, als die ehemalige U.S.- und jetzige Nationaltrainerin Schwedens bei der Übergabe der Trophäe mit dem Blick auf Wambach und Alex Morgan den Bob Dylan-Song If not for you anstimmte.

"Ich bin nicht überrascht, dass sie während ihrer Dankesrede angefangen hat, zu singen. Das ist typisch Pia. So ist sie nun einmal. Sie ist nicht nur eine fantastische Trainerin, wie sie mit dieser Auszeichnung bewiesen hat, sie hat auch jede Menge Mut bewiesen, als sie dort oben stand und vor diesem Publikum gesungen hat. Sie ist, wer sie ist - egal vor welchem Publikum sie steht", zollte Wambach ihrer ehemaligen Trainerin im Interview mit FIFA.com großen Respekt.

"Pia coacht mit dem Herzen"
In 107 Spielen betreute Sundhage die U.S.-Damen und hatte in den vier Jahren an der Seitenlinie nicht nur einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Nationalmannschaft, sondern auch auf den Werdegang Wambachs.

"Es gibt so viele Dinge, die sie tagtäglich tun muss, von denen wir nichts wissen. Dies hat sie zu der Trainerin gemacht, die sie ist. Ich liebe sie als Trainerin. Sie war so gut für mich. Sie hat mir in den letzten Jahren die Möglichkeiten gegeben, die ich hatte und die es mir ermöglichten, in Zürich sein zu dürfen. Aber am Ende des Tages ist der Grund für meine Zuneigung, dass Pia ein großartiger Mensch ist. Sie coacht mit ihrem Herzen und besitzt so viel Leidenschaft für das Spiel, die ansteckend ist. Wir haben uns alle den Pia-Bazillus eingefangen, als sie da war."

Worte, die deutlich machen, welche Stellung die Schwedin im Leben der 32-Jährigen, die sich bei der prestigeträchtigen Wahl gegen Morgan und Brasiliens Superstar Marta durchsetzen konnte, einnimmt.

"Pia hatte einen enormen Einfluss auf unser Team. Sie kam nach der WM 2007, als wir verloren hatten und ein bisschen in Trümmern lagen. Sie beruhigte uns, und ihre Art und Weise, die Mannschaft zu trainieren, war bei Weitem das Beste, das ich je gesehen habe. Damit meine ich nicht nur die Ergebnisse, sondern auch, wie sie mit den verschiedenen Persönlichkeiten in unserem Team umgegangen ist. Das zeigt, wie gut sie war", führt die Weltfussballerin des Jahres 2012 weiter aus.

"Wir haben keine Abby Wambach"
Dieser große Respekt und die Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre spiegeln sich auch in den Aussagen Sundhages wieder, die sich voller Stolz zeigte, als Wambach dieses Mal mit der Trophäe im Gepäck nach Hause flog. "Ich liebe die Tatsache, dass Abby zur besten Spielerin des Jahres gewählt wurde. Ich liebe die Art, wie sie spielt. Außerdem ist sie ist ein gutes Vorbild für den Frauenfussball", brachte sie es kurz und knapp gegenüber FIFA.com auf den Punkt. Jemandem seine Wertschätzung zu zeigen, bedarf nicht vieler Worte.

2013 wird die 52-Jährige allerdings ohne Wambach auskommen müssen. Knapp drei Wochen nach dem Olympia-Sieg in London verkündete Sundhage ihren Abschied von der Frauen-Nationalmannschaft der USA und übernahm am 1. Dezember 2012 das Frauenteam ihres Heimatlandes.

"Es ist völlig anders, mit dem schwedischen Team zu arbeiten. Zunächst einmal haben wir keine Abby Wambach", so Sundhage lachend. Doch die gebürtige Schwedin hat bereits in den USA bewiesen, wozu sie in der Lage ist, und wird vieles von dem, was sie in den USA gelernt hat, mit in ihre jetzige Arbeit mit einfließen lassen. Dabei werden sie auch die guten Wünsche ihrer ehemaligen Star-Stürmerin begleiten.

"Wir waren traurig, sie gehen zu sehen. Aber der Mensch muss sich vorwärts bewegen. Sie hatte den Traum, ihre Heimmannschaft in ihrem Heimatland zu trainieren. Ich respektiere das und wünsche ihr nichts als das Beste."