Neues Kapitel in Ghana
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Das Schlagwort "Frauen zuerst" gehört in vielen Lebenssituationen zwar immer noch zum guten Ton, galt bisher aber nicht für den afrikanischen Fussball. Dort wird der Sport traditionell als Männerdomäne angesehen und ist der Frauendisziplin an Beliebtheit und Teilnehmerzahlen weit voraus. Das Interesse stieg in den letzten Jahren zwar an, doch der Frauenfussball ist noch weit davon entfernt, einen ähnlichen Status in der Sportpresse des Kontinents einzunehmen oder vergleichbare Zuschauerzahlen zu erreichen. Dieser allgemeine Trend galt auch für Ghana, obwohl die Black Queens als erste A-Nationalmannschaft des westafrikanischen Landes die Endrunde eines großen internationalen Turniers erreichten. Die ghanaische Frauen-Auswahl nahm bereits 1999 an der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in den USA teil und erreichte damit sieben Jahre vor den männlichen Kollegen, die 2006 in Deutschland dabei waren, die erstmalige Qualifikation für eine WM-Endrunde. In der Folge qualifizierten sich die Black Queens auch für die drei folgenden FIFA Frauen-Weltmeisterschaften.

Trotz dieser früheren Erfolge deutete für die Liebhaber des Frauenfussballs in Ghana aber zunächst nichts darauf hin, dass sie bald noch mehr Grund zur Freude haben würden: Denn am vergangenen Wochenende startete die National Women’s League in ihre erste Saison. Es ist ein Traum, der wahr geworden ist für den ghanaischen Fussballverband (GFA), der sich mit der Unterstützung von der FIFA und der CAF stark für die Einführung einer Frauenliga engagierte. Die Liga wird aus zwölf Mannschaften bestehen und den besten Frauenfussball im Land und darüber hinaus umfassen. Leanier Addy, Vorstandsvorsitzende der Women’s League, sagte gegenüber FIFA.com, dass endlich der Moment für eine solche Liga gekommen sei. "Die Einführung der Liga wird einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Spiels haben. Sie wird auch als Brutstätte für Spielerinnen für verschiedene Nationalmannschaften dienen", sagte Addy, ehemalige Fussballerin und einzige Frau im Exekutivkomitee des GFA.

Trainerkurse und Ausrüstung
Es gab große Hindernisse zu überwinden, sowohl in organisatorischer wie auch logistischer Hinsicht, bevor das ehrgeizige Projekt zum Leben erweckt werden konnte. Als erste Maßnahme organisierte die FIFA drei Trainerkurse für Frauenfussball, um den Teilnehmern die Grundzüge des Spiels nahezubringen und ihre Kenntnisse zu verfeinern. "Es gab Kurse auf Anfängerniveau, mittlerer und fortgeschrittener Ebene, an der 18 Frauentrainerinnen aus dem ganzen Land teilnahmen. Die Resonanz war sehr positiv, und die meisten von ihnen arbeiten im Basisfussball", bemerkte Francis Oti Akenteng, technischer Direktor des GFA.

Zu den Absolventinnen der Kurse gehören unter anderem Dora Zutah (Assistenztrainerin der Black Queens), Adjoa Agyeiwaa (Ashtown Ladies), Comfort Akapko (Sekondi Navy) und Gladys Akakpo (Map Baya FC, ein drittklassiges Männerteam). Agyeiwaa, Assistenztrainerin bei den Ashtown Ladies aus Kumasi, einer der zwölf Klubs der Liga, glaubt, dass ihre Teilnahme an den Kursen sich positiv auf die Leistung ihres Teams auswirken wird. "Die Kurse haben mich stark beeinflusst und mir viele technische Aspekte des Spiels aufgezeigt. Sie haben mich besser gemacht, und ich baue auf dem erworbenen Wissen auf, um meinem Team auf dem Weg zum Titel helfen zu können", sagte sie.

In nicht allzu ferner Zukunft, so Oti Akenteng, werden die Frauen-Nationalteams von Trainern übernommen werden, die im Verlauf der letzten drei Jahre an diesen Kursen teilgenommen haben. Kurz vor dem Start der Liga am 16. Dezember half die FIFA dem GFA zudem mit einer Spende von Sportausrüstung aus. Es wurden zum Beispiel Fussbälle, Trainingsausrüstung, Schienbeinschoner, Torwarthandschuhe und Fussballschuhe an die teilnehmenden Klubs verteilt. "(Die Materialien) werden den Teams der Liga sehr weiterhelfen. Es wird ihre Kosten reduzieren, und nun können sie das Geld, das sie für den Kauf dieser Dinge verwendet hätten, in andere wichtige Bereiche leiten", sagte Addy.

Ein guter Start für das glückliche Dutzend
Die zwölf Klubs wurden in zwei geographische Zonen eingeteilt. In der Süd-Zone befinden sich Cape Coast Ghatel Ladies, Soccer Intellectuals, Hasaacas Ladies, Ayoola Ladies, Immigration Ladies und Volta Amalga Ladies. Die Nord-Zone besteht aus Bolga Ghatel, Reformers, Lepo Ladies, Ampem Darkoa Ladies, Fabulous Ladies und Ashtown Ladies.

Nach einer Hin- und Rückrunde im Ligaformat treffen die Erstplatzierten jeder Zone im Finale aufeinander, um den nationalen Meister zu ermitteln, während die schlechtesten Teams in die zweite Division absteigen. In der Liga werden viele aktuelle und ehemalige Stars der Nationalmannschaft vertreten sein, wie zum Beispiel die Kapitänin der Black Queens, Adjoa Bayor, oder Leticia Zipki, Rosemary Ampem, Patricia Mantey (Immigration Ladies), Memunatu Sulemana, Portia Boakye (Fabulous Ladies), Priscilla Saahene (Ashtown Ladies) und Jane Ayieyam (Bolga Ghatel Ladies). Mit einer konkurrenzfähigen Frauenliga rückt Ghana auf eine Ebene mit Südafrika, Nigeria und Kamerun.

Das Geschehen am ersten Wochenende zeigte sogleich, dass auch die Frauen einen höchst unterhaltsamen Fussball bieten können. In den sechs Auftaktspielen wurden 19 Treffer erzielt, nur eine Partie endete torlos. Der große Gewinner der ersten Runde waren die Hasaacas Ladies, die mit einem 7:0 über Ayola Ladies einen Auftakt nach Maß feierten. Doch dank der neuen Liga wird dies mit Sicherheit nicht der letzte Höhepunkt für den Frauenfussball in Ghana sein.