Hashemian: "Klopp ist ein Vorbild für mich"
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Erst vor wenigen Monaten beendete er seine glanzvolle Spielerkarriere: Vahid Hashemian kündigte im Sommer an, nicht mehr auf Torejagd gehen zu wollen, und verließ Persepolis Teheran. Für den ehemaligen iranischen Nationalspieler, der bei der FIFA WM 2006 am Start war und zudem auf 187 Einsätze und 43 Treffer in der deutschen Bundesliga verweisen kann, bedeutet das Ende aber zugleich einen Neuanfang. Der "Hubschrauber", wie man ihm dank seiner Sprungkraft und Kopfballstärke nannte, gönnt sich keine Pause.

Hashemians neues Abenteuer hat im norddeutschen Amateurfussball begonnen. Der mittlerweile 36-Jährige will Fussball-Lehrer werden und sammelt seit einigen Wochen die für den Schein erforderliche praktische Erfahrung als Trainer bei der SV Halstenbek-Rellingen in der fünften Liga. Der Ex-Torjäger von Bayern München sprach exklusiv mit FIFA.com über den Startschuss in seine Trainerlaufbahn und die Chancen der Iraner, sich für die FIFA WM 2014 zu qualifizieren.

"Meinen eigenen Stil finden"
Mit seiner Familie ist Hashemian aus dem Iran nach Hamburg gezogen. Die Hansestadt ist längst so etwas wie seine zweite Heimat geworden, nachdem er für den Hamburger SV auch als Spieler schon aktiv war. Vor den Toren der Millionenstadt will er nun lernen: "Ich benötige praktische Erfahrung, um den Fussball-Lehrer zu machen. Ich bin sehr zufrieden und glücklich, dass ich beim SV Halstenbek-Rellingen diese Möglichkeit bekomme."

An die Rolle eines Coaches muss sich Hashemian freilich erst noch gewöhnen. Manchmal, so gibt er zu, kribbelt es noch in den Füßen, wenn er auf dem Platz Anweisungen gibt: "Es ist schwer, auf einmal nicht mehr aktiv eingreifen zu können. Vor allem, wenn man so lange als Spieler tätig war wie ich. Aber ich wusste schon immer, dass ich nicht mein Leben lang Fussball spielen kann. Ich möchte aber weiterhin in dieser wundervollen Sportart tätig sein und sehe die Trainerlaufbahn als perfekte Möglichkeit dazu."

Als Spieler durchlief er viele Stationen und erhielt von zahlreichen Top-Trainern Anschauungsunterricht. Hashemian selbst orientiert sich an den Besten der Branche. "Große Trainer wie Fabio Capello, Ottmar Hitzfeld, Louis van Gaal oder vor allem auch Jürgen Klopp dienen mir als Vorbilder, aber ich möchte niemanden kopieren, sondern stets ich selbst bleiben und meinen eigenen Stil finden."

"Zwei verschiedene Paar Schuhe"
Ob dieser Stil einmal eher zur Richtung des sehr emotionalen und motivierenden Stils von Klopp tendiert oder in der ruhigen und besonnenen Art eines Vicente Del Bosque mündet, ist sich Hashemian noch nicht sicher: "Ich denke, es ist situationsabhängig und wichtig, die richtige Mischung und Balance zu finden. In manchen Phasen darf man nicht zu ruhig sein, in anderen Phasen ist es nicht förderlich, zu extrovertiert zu sein. Aber das alles muss ich noch lernen und mir Tag für Tag hart erarbeiten. Genau darauf freue ich mich sehr."

Eines ist dem frischgebackenen Familienvater jedoch jetzt schon klar geworden: Trainer sein ist etwas völlig anderes als Spieler sein. "Ich erfahre täglich, dass die beiden Jobs zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe sind. Als Spieler denkt man viel an sich selbst. Als Trainer hingegen muss man immer für die Mannschaft denken und das Ganze sehen. Da kann man keine Rücksicht auf einzelne nehmen."

Der Fussball hat in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung gemacht. Der Sport ist viel schneller und facettenreicher geworden. Es wird viel mehr Wert auf technische und taktische Fertigkeiten sowie auf ein gepflegtes Kurzpass- und Kombinationsspiel gelegt. Diese Veränderungen hat auch Hashemian wahrgenommen. "Aus dem Fussball ist eine Wissenschaft geworden. Und es ist wichtig, heutzutage sehr vielseitig und vor allem spiel- und ballnah zu trainieren."

Zuversichtlich für "Team Melli"
Für den Iran hat Hashemian 55 Länderspiele absolviert, in denen er 14 Tore erzielte. Bei der WM 2006 in Deutschland kam er in allen Gruppenspielen zum Einsatz. Auch heute noch verfolgt er selbstverständlich jede Partie des "Teams Melli" mit Adleraugen.

Die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika wurde verpasst, und auch in der aktuellen Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien belegt der Iran nach der jüngsten 0:1-Heimniederlage in Teheran gegen Usbekistan nur den dritten Rang. "Wir dürfen in den noch verbleibenden drei Partien keine Punkte mehr liegen lassen. Wir müssen sehr konzentriert und aufmerksam agieren, um uns noch für die WM zu qualifizieren", bewertet Hashemian die Situation durchaus mit der nötigen Ernsthaftigkeit.

"Ich denke, dass wir in Asien zu den stärksten Nationen im Fussball zählen. Von der Qualität her haben wir das Potential, in Brasilien dabei zu sein",erklärt der Ex-Nationalspieler optimistisch. Dass der Iran aber momentan nicht mehr so große Spieler wie Ali Daei, Ali Karimi, Mehdi Mahdavikia oder auch ihn selbst, die sich allesamt auch in der deutschen Bundesliga einen Namen gemacht haben, hervorbringt, sieht er nicht darin begründet, dass es nicht genügend Talente gebe, sondern vielmehr in der Organisation.

"Ich denke, es ist Zeit für einen Generationswechsel im iranischen Fussball. Wir haben viele Talente und gute Fussballer. Aber das muss mit einem guten Plan und strukturiert umgesetzt werden. Das hat uns in den letzten zehn Jahren etwas gefehlt." Vielleicht ist Hashemian ja in ein paar Jahren so weit, um mit dem Iran in erfolgreiche Zeiten aufzubrechen. Man darf jedenfalls gespannt sein, welche Landeplätze der "Hubschrauber" als Trainer in der Zukunft noch ansteuern wird.