Muamba und Blatter sprechen über Notfälle mit Herzstillstand
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Fabrice Muamba war am 20. November 2012 zu einem informellen Treffen mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter und dem medizinischen Leiter der FIFA Professor Jiri Dvorak im Home of FIFA zu Gast. Der 24-Jährige kam in Begleitung von Phil Gartside, dem Vorsitzenden der Bolton Wanderers, und Jonathan Tobin, dem Mannschaftsarzt des Klubs, für den der ehemalige Mittelfeldspieler aktiv war, als er am 17. März einen Herzstillstand erlitt. Muamba, Präsident Blatter und Professor Dvorak sprachen über den Vorfall und darüber, was in Zukunft bei ähnlichen Notfällen getan werden kann, um den Opfern zu helfen.

"Fabrice, es ist einfach wundervoll, Sie hier in Zürich zu sehen", sagte Blatter, der Muamba bei seiner Ankunft im Home of FIFA herzlich umarmte. "Ich bin froh, Sie bei guter Gesundheit zu sehen und freue mich darauf, mit Ihnen darüber zu sprechen, wie Sie mit diesem Erlebnis in Zukunft umgehen können."

Professor Dvorak teilte Muamba einige Hintergrundinformationen über die Aktivitäten der FIFA in Bezug auf den plötzlichen Herztod mit. Er sagte: "Der plötzliche Herztod von Marc-Vivien Foé während des FIFA Konföderationen-Pokal 2003 in Lyon war ein schwerer Schock. Von diesem Augenblick an haben wir Maßnahmen zum Schutz der Spieler ergriffen."

Ein bewegendes Video
"Bei Ihnen endete der Notfall glücklich, das ist natürlich fantastisch. Aus diesem Grund haben wir ein Video produziert und beim FIFA-Kongress gezeigt. Danach hat der FIFA-Präsident den Vorschlag gemacht, für jeden FIFA-Mitgliedsverband einen Automatisierten Externen Defibrillator (AED) zur Verfügung zu stellen. Diese vom FIFA-Kongress genehmigte Maßnahme wird derzeit umgesetzt."

Dann sahen die Anwesenden gemeinsam das Video, das die Rettung von Muamba zeigt. In dem Film gibt es Anmerkungen von seinen Teamkameraden und von Howard Webb, der das berüchtigte Spiel zwischen den Bolton Wanderers und Tottenham Hotspur leitete. Der in der DR Kongo geborene ehemalige Spieler der englischen U-21-Auswahl hatte das Video zuvor noch nicht gesehen und konnte seine Augen gar nicht davon abwenden.

"Nach dieser Sache ist mir klar geworden, dass Fussball nicht nur das Spiel auf dem Rasen ist, sondern dass noch eine ganze Menge drum herum stattfindet und dass viele Leute dabei sehr wichtige Arbeit leisten", so Muamba. "In meinem Fall war es das medizinische Personal. Ich denke, dass die Situation deutlich gemacht hat, dass jeder den Umgang mit diesen Geräten lernen sollte."

"Zuerst kommt die Schule, dann kommt der Fussball"
Tobin, der an jenem Tag als Mannschaftsarzt auf dem Rasen war und eine Schlüsselrolle bei der Rettung Muambas spielte, fügte hinzu: "In solchen Situationen sind zwei Aspekte entscheidend: Erstens muss ein AED vor Ort sein und zweitens Menschen, die damit umgehen können. Das erscheint auf den ersten Blick nicht allzu kompliziert, doch in Wahrheit ist ein gutes Stück Organisationsarbeit dafür erforderlich. Genau hier kann die FIFA in Zukunft wichtige Hilfestellung leisten."

Der Arzt erläuterte auch, warum ein AED bei solchen Notfällen so wichtig ist. "In einer solchen Situation können angesichts der Panik selbst gut ausgebildete Leute die Kontrolle verlieren", sagte er. "Genau deswegen sind die AEDs hier so wichtig. Denn sobald man ein solches Gerät öffnet, findet man sehr klare Anweisungen, was zu tun ist. An jenem Tag besserte sich die Situation in dem Moment, in dem das AED ins Spiel kam."

Muamba hat den Notfall zwar gut überstanden, doch seine Fussballkarriere musste er beenden. Davon allerdings lässt er sich nicht entmutigen: "Mein Vater hat mir immer gesagt: 'Zuerst kommt die Schule, dann kommt der Fussball.' Diesen Weg habe ich immer befolgt und das ist auch gut so. Allerdings konnte ich die Uni nicht abschließen, nachdem ich meine Profikarriere begonnen hatte. Vielleicht ist aber jetzt die richtige Zeit dafür", meinte er mit einem Lächeln. "Auf jeden Fall möchte ich verschiedene Aspekte und Facetten des Fussballs kennen lernen. Nach einer solchen Erfahrung glaubt man jedenfalls, dass alles möglich ist."

Den Menschen Emotionen und Hoffnung bringen
Dvorak ist überzeugt, dass dieser Notfall auch positive Seiten hat: "In gewisser Weise hat dieser Vorfall das Bewusstsein für die Problematik rund um die Welt gesteigert. Ich denke, dass Fabrice in diesem Zusammenhang bei der FIFA eine Rolle spielen könnte." Muamba reagierte auf diesen Vorschlag mit Zustimmung: "Der Fussball bringt Menschen zusammen. Er verbindet Menschen und macht die Welt zu einem besseren Ort – und manchmal rettet er sogar Leben. Natürlich bin ich sehr daran interessiert, daran teilzuhaben."

Präsident Blatter beschloss das Gespräch im gleichen Geist: "Wir können die Welt nicht von Grund auf verändern, aber wir können sie durch den Fussball etwas besser machen – das stimmt auf jeden Fall. Beim Fussball geht es darum, den Menschen Emotionen und Hoffnung zu bringen. Wir versuchen jeden Tag, hierzu unseren Beitrag zu leisten, und ich bin sicher, dass Fabrice uns dabei sehr helfen kann."