Wettbetrug und manipulierte Spiele: Welche Lösungen sind in Sicht?

Ein am 30. Mai vom Internationalen Zentrum für Sportstudien (CIES) in Neuchâtel organisierter Runder Tisch zum Thema Wettbetrug im Fussball und Manipulierung von Spielen bot den teilnehmenden Experten die Gelegenheit, die damit verbundenen Probleme anzusprechen und sich über Lösungen zu deren Überwindung auszutauschen. Daran nahmen auch Vertreter der FIFA teil.

Die in letzter Zeit wiederholt auftretenden Betrugsfälle verdeutlichen, dass auch die Welt des Sports nicht von Betrügern verschont bleibt. Nachdem in Italien erneut wegen Spielmanipulation, deren Beteiligte sich vermutlich über die ganze Welt verteilen, ermittelt wird, befasste sich auch das Internationale Zentrum für Sportstudien (CIES) in Neuchâtel am Mittwoch, 30. Mai 2012, im Rahmen eines Runden Tisches, an dem zahlreiche Fachleute teilnahmen, mit diesen unlauteren und illegalen Praktiken. Die FIFA war durch Marc Cavaliero, den Leiter der FIFA-Disziplinar- und Governance-Abteilung, vertreten.

Im Vorfeld der UEFA EURO 2012 und der Olympischen Sommerspiele in London sprachen alle anwesenden Experten – deren Palette reichte von verantwortlichen Sportfunktionären über Vertreter aus dem Bereich der Sportwetten bis hin zu vielen weiteren Akteuren aus der Welt des Sports – von einer nach wie vor latenten Manipulationsgefahr bei Sportwettkämpfen und Turnieren.

In den Augen von Denis Oswald, Direktor des CIES und Professor an der Universität Neuchâtel, "ist es von enormer Bedeutung, dass die leitenden Sportfunktionäre ihren Kampf gegen unlautere und illegale Wettpraktiken sowie gegen Betrugsmanipulationen bei Sportwettkämpfen und Turnieren sowohl auf offizieller wie auch auf inoffizieller Ebene konsequent fortsetzen. Denn diese Problematik ist eine Bedrohung für die Chancengleichheit im Sport. Das CIES und seine Partner setzen sich mit Nachdruck dafür ein, die Gespräche zum Thema Wettbetrug und manipulierte Spiele im öffentlichen Rahmen und damit zugunsten des Sports fortzuführen."

Marc Cavaliero betonte seinerseits, dass "die FIFA für die Bekämpfung dieser Plage enorme Mittel aufwendet, insbesondere für eine wirksamere Kontrolle bei Turnieren, und dabei mit nationalen und internationalen Institutionen sowie mit den jeweils zuständigen Polizeiorganen zusammenarbeitet. Einen weiteren Beitrag leistet die FIFA in Form von präventiven und erzieherischen Maßnahmen bei den Spielern, Schiedsrichtern, Trainern und Betreuern."

"Dieses Phänomen unter Kontrolle zu bekommen ist vor allem deshalb so schwierig, weil es sich bei der überwiegenden Mehrheit der Sportwetten (80 bis 90 Prozent vom Gesamtanteil) um illegale Praktiken handelt und diese Wetten nicht unter die in unseren Mitgliedsländern eingeführten gesetzlichen Bestimmungen fallen", gab Christophe De Kepper, Generaldirektor des IOC, zu bedenken.

Nach Auffassung von Jean-Luc Moner-Banet, Generaldirektor der Lotteriegesellschaft in der französischsprachigen Schweiz (Loterie Romande) "zählt Wettbetrug bei Fussballspielen längst zu den Aktivitäten der international agierenden Mafia. Für die organisierte Kriminalität ist es eine Möglichkeit zur Geldwäsche und Gewinnmaximierung, denn anders als bei der herkömmlichen Geldwäsche, wo es immer auch Verluste gibt, fließt bei dieser Variante stets der volle Gewinn. Demnach stellt der Sport für diese Mafiaorganisationen eine sprudelnde Einnahmequelle dar."

Mit dem Ziel, diesen Missbrauch weitestgehend einzudämmen, wurden von allen Teilnehmern des Gesprächs diverse Maßnahmen vorgeschlagen, unter anderem auch vom Leiter der Rechtsberatung der UEFA und früheren Generalstaatsanwalt von Neuchâtel, Pierre Cornu, sowie von Michel Vautrot, der früher als Schiedsrichter bei internationalen Turnieren fungierte.

Jean-Luc Moner-Banet zum Beispiel schlug vor, "dass bestimmte Formen von nachgeordneten Sportwetten (Anzahl von Eckstößen, Einwürfen und Gelben Karten usw.) sowie Wetten auf Freundschaftsspiele und Spiele von Juniorenteams durch Verbote reguliert werden sollten." Die Schlussbemerkung formulierte Christophe De Kepper, der die Gesprächsrunde wie folgt zusammenfasste: "Solange sich die Regierungen nicht der Schwere und der Tragweite dieses Problems bewusst sind, werden wir immer einen oder zwei Schritte zu spät sein."