Der weltweit bekannte brasilianische Maler Romero Britto malt Bilder für die Limited Edition der offiziellen Poster zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010. Ein Teil des Erlöses geht an die Initiative "20 Zentren für 2010".

Beim FIFA-Kongress in Nassau (Bahamas) wurden jetzt zwei seiner Werke vorgestellt. Anschließend traf sich der 46-Jährige zum Exklusivgespräch mit FIFA.com und erzählte mit großer Leidenschaft von seiner Kunst, dem Fussball, der FIFA-WM und anderen Dingen, die ihn bewegen.

Romero Britto, sagen Sie doch mal ein paar Worte über sich...
Geboren wurde ich vor nunmehr einiger Zeit in Recife im Nordosten Brasiliens als Sohn einer kinderreichen Familie. Aufgewachsen bin ich mit sieben Brüdern, die ständig und überall Fussball spielten, am Strand ebenso wie im Haus. Bei uns war immer was los. Ständig waren Freunde meiner Brüder zu Besuch, und außerdem hatten wir viele Haustiere.

Wie ging es dann mit Ihnen weiter?
Ich habe später dann Jura studiert, um mir meinen Kindheitsraum zu erfüllen und brasilianischer Botschafter zu werden. Aber schon damals habe ich gemalt und gezeichnet. Bereits als Achtjähriger habe ich einfach alles bemalt, die Wände der Wohnung inbegriffen - sehr zum Leidwesen meiner Mutter. Doch ich hätte nie gedacht, dass in dieser Leidenschaft einmal meine Zukunft liegen würde, dass ich eines Tages auf der ganzen Welt meine Bilder vorstellen würde. Nachdem ich die Idee von der Diplomatenlaufbahn aufgegeben hatte, bin ich dann erst mal ein Jahr nach Europa gegangen und danach dann in die USA, wo ich nun seit 23 Jahren lebe.

Wie würden Sie Ihre Kunst beschreiben?
Ich versuche, mit meiner Kunst das auszudrücken, was ich selbst gern jeden Tag erleben möchte: Das Positive, die Freude, Energie. Ich will mich nicht auf das beziehen, was tagtäglich ohnehin schon durch die Medien geistert, all diese Schreckensmeldungen, der Tod und all das. Ich will Hoffnung und Inspiration für alle vermitteln, mich eingeschlossen. Mit dieser Absicht gehe ich jeden Tag an. Ich will mich gut fühlen, und ich hoffe, das merkt man meiner Kunst auch an. Denn wenn ich dieses Gefühl teilen kann, warum nicht? Es schmeichelt mir, wenn so vielen Leuten meine Werke gefallen.

Was können Sie uns über das Gemälde sagen, das Sie für die Limited Edition der offiziellen Poster gemalt haben?
Als ich gebeten wurde, dieses Bild zu malen, war ich ganz aufgeregt. Afrika, der ganze Kontinent, ist faszinierend. Alles hat in Afrika begonnen und alles wird erneut in Afrika beginnen. Sport ist ein Katalysator, Sport ist Menschlichkeit, Sport eint die Leute. Auf einem Spielfeld sind alle gleich und können sich ohne Schranken ausdrücken. Für Afrika ist das eine Chance und für die Welt eine Chance, Afrika kennen zu lernen, angefangen bei Südafrika.

Sie haben einmal gesagt, die Kunst müsse die Freude über die einfachen und guten Dinge des Lebens widerspiegeln. Gilt das Ihrer Meinung nach so auch für den Fussball?
Absolut! Was ich damit sagen wollte, ist, dass man kein Großereignis braucht, um Großes zu erleben. Sport ist einfach und kann doch das Leben verändern. Diese Art des Zusammenspiels, ob als Mannschaft oder im Einzelsport, das ist das Leben. Die Leute müssen miteinander reden, müssen mehr teilen. Der Sport ermöglicht das, unabhängig von Kultur- und Volkszugehörigkeit. Das ist das Schöne daran.

Was bedeutet Ihnen der Fussball?
Fussball ist Freundschaft, das Zusammensein von Leuten. Das kann in einem ganz kleinen Rahmen anfangen und sich im ganzen Land verbreiten. Fussball ist Menschlichkeit: Leute, die zusammen eine Leidenschaft ausleben, die Freude am Spiel haben. Es geht nicht nur ums Gewinnen oder Verlieren, sondern darum, das zu machen, was man liebt, ums Teilhaben. Um das zu feiern, gehen die Leute ins Stadion, um das miteinander zu teilen. Denn das setzt Emotionen ohnegleichen frei.

Sie setzen sich sehr für karitative Zwecke ein. Warum?
Weil ich von kleinauf immer schon gern geteilt habe. Ich war nie ein egoistisches Kind. Später dann habe ich in den USA Menschen kennen gelernt, die Tragödien erlebt hatten und daraufhin karitative Vereinigungen gegründet haben. Da ist mir bewusst geworden, dass ich in meinem Leben viel Glück gehabt habe. Ich bin in einem wunderschönen Land geboren, ich konnte überallhin reisen, ich konnte studieren und vieles mehr. Wenn ich davon jetzt etwas zurückgeben kann, tue ich es. Ich war beispielsweise schon an vielen Universitäten, von Yale bis Georgetown, um meine Leidenschaft zu teilen und zu inspirieren. Es ist wichtig, seinen Mitmenschen zu helfen, und ich mache es gern!