Immer schneller, immer attraktiver und immer beliebter: Der Frauenfussball drängt mit großen Schritten in den Blickpunkt. Während in Asien bereits der Startschuss für die Qualifikation zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™ gefallen ist, sorgen weltweit immer wieder vielversprechende Talente für Furore. FIFA.com widmet sich deshalb in einer neuen monatlichen Serie den neuen Gesichtern des Frauenfussballs.

Zum Auftakt nehmen wir einen der aufgehenden Sterne des amtierenden Weltmeisters unter die Lupe. Deutschlands Abwehrjuwel Bianca Schmidt ist zwar erst 19 Jahre jung, kann aber bereits von sich behaupten, vor knapp 45.000 Zuschauern gegen die beste Spielerin der Welt geglänzt zu haben. Und was viele nicht wissen: Die Schülerin eines Potsdamer Sportgymnasiums kann neben dem Fussball sogar noch in einer zweiten Sportart bemerkenswerte Erfolge vorweisen.

Die Antwort auf Martas Magie
"Wie oft kommt es vor, dass man beim Fussballspielen sein eigenes Wort nicht mehr versteht?" In ihrer typisch smarten Art reagierte Bianca in den Katakomben der Frankfurter Arena mit einer rhetorischen Frage. Die Brasilianerin Marta, ihres Zeichens aktuelle FIFA-Weltfussballerin, hatte sie soeben vor einer Europarekord-Kulisse derart neutralisiert, dass am Ende ein 1:1 für die deutschen Frauen heraussprang. Nun stand sie vor rund einem Dutzend neugieriger Journalisten, die wissen wollten, wie sich dieses Erlebnis anfühlt. "Das war unbeschreiblich!"

An ein derartiges Interesse an ihrer Person wird sich Bianca vermutlich gewöhnen müssen. Die Defensivspielerin von Turbine Potsdam, die eigentlich als Stürmerin ausgebildet wurde, ist nämlich auf dem besten Wege, eine der ganz großen Hoffnungsträgerinnen der Generation eins nach Birgit Prinz und Co. zu werden. Auf der Position der rechten Verteidigerin, auf der sie während der 90 Minuten gegen die Brasilianerinnen immer wieder eine Antwort auf Martas Magie kannte, stehen ihr alle Türen offen. Wer aber glaubt, Bianca würde abheben, der irrt. Noch am Abend des Freundschaftsspiels in Frankfurt trotzte sie gegenüber FIFA.com ihrem Gänsehaut-Feeling mit allzu bodenständigen Sätzen wie: "Jetzt muss ich erstmal nach Hause, um für meine Abiturprüfungen zu lernen. Mathe, schriftlich, nicht einfach!"

Spielerisch leicht sieht es dagegen aus, wenn Bianca Schmidt dank ihrer für ihr Alter erstaunlichen Abgeklärtheit, Athletik und positiven Körpersprache die rechte Abwehrseite ihres Klubs aus Potsdam dicht macht. "Sie ist im athletischen Bereich und in der Schnelligkeit eine Spielerin mit internationalem Format", sagt etwa Turbine-Coach Bernd Schröder über den noch ungeschliffenen Diamanten. "Bianca ist eine Spielerin mit Perspektiven", meint derweil Bundestrainerin Silvia Neid. Es klingt ganz danach, als wolle man das neue Talent noch vor allzu hohen Erwartungen schützen.

Toller Aufstieg und große Ziele
In der Tat hat die in Gera geborene Musterschülerin einen atemberaubenden Aufstieg hinter sich, der erst einmal verarbeitet werden muss. Bereits im November 2006, im Alter von 16 Jahren, gehörte sie erstmals dem Kader der deutschen A-Nationalmannschaft der Frauen an, wurde beim 6:3-Sieg gegen Japan allerdings nicht eingesetzt. Bei der FIFA U-20-WM 2008 in Chile hatte sie dann als Leistungsträgerin maßgeblichen Anteil daran, dass die deutschen Mädels den dritten Platz erreichten. Und beim darauffolgenden Algarve Cup ließ sie dann auch unter Silvia Neid ihr Können aufblitzen. Biancas Markenzeichen ist ihre Ausdauer. Und das kommt nicht von ungefähr.

Neben dem Fussball war sie auch in der Leichtathletik, beim Schwimmen und im Triathlon aktiv. 2002 wurde sie deutsche Vize-Meisterin im Crosslauf, 2004 mitteldeutsche Meisterin über 2.000 Meter. Doch im Fussball sah Bianca die größten Chancen, etwas zu erreichen. "Das reizt mich", sagt sie. Und fügt hinzu: "Jetzt will ich mich als Verteidigerin in der deutschen Nationalmannschaft etablieren." Keiner hat Zweifel daran, dass Bianca auch in der schönsten aller Sportarten Titel gewinnen kann. Vielleicht sogar bei der Frauen-WM 2011 vor heimischer Kulisse? "Ich werde mich auf jeden Fall so richtig reinhängen!"

Auch wenn Schmidt ein nicht gerade seltener Nachname ist - in Kombination mit Bianca sollte man ihn sich merken...