Rodrigo Kenton, Evaristo Coronado und Paulo Wanchope sind Aushängeschilder des costa-ricanischen Fussballs. Ihre Erlebnisse riefen bei den 100 Teilnehmern des Com-Unity-Seminars in San José reichlich Emotionen hervor, und die Veranstaltung endete mit der einhelligen Botschaft, dass man den sportlichen Höhenflug des Landes noch weiter vorantreiben möchte. Die Nationalelf Costa Ricas steht in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ an der Tabellenspitze der Nord-, Mittelamerika- und Karibikzone (CONCACAF). Außerdem haben sich die Junioren-Auswahlen des Landes für die FIFA U-20-Weltmeisterschaft in Ägypten sowie für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft in Nigeria qualifiziert.
Kenton spielte seit den 70er-Jahren bei diversen costa-ricanischen Vereinen und ist heute Nationaltrainer. Er sorgte für einen radikalen Umschwung, den man zum ersten Mal bei der Teilnahme der Ticos an der WM 1990 in Italien spürte, als er noch als Assistent von Bora Milutinovic tätig war. Die Costa-Ricaner zogen damals ins Viertelfinale ein und lieferten damit ihren bisher besten WM-Auftritt ab. Coronado ist das absolute Idol von Saprissa und war damals ein großer Torjäger der Nationalmannschaft. Seine Treffer ermöglichten dem Team letztendlich die WM-Teilnahme. Er berichtete, dass die Spieler ihre Trikots noch bis in die 80er-Jahre zum Waschen mit nach Hause nahmen.
Wanchope ging damals noch zur Schule und erinnert sich noch an die Begeisterung, mit der die Spiele im Fernsehen verfolgt wurden. Die Cobra wollte eigentlich Basketballer werden und verbrachte sogar einige Zeit in den USA, um seine Karriere voranzutreiben. Dann stattete er Herediano, dem Klub seiner Freunde, einen Ferienbesuch ab, wurde von Trainern entdeckt und blieb bis zu seinem kürzlichen Rückzug beim Fussball. Seine beiden Treffer in der Auftaktpartie der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 gegen den Gastgeber machten ihn in allen Winkeln der Welt berühmt.
Coronado, Kenton und Wanchope als Vorbild
Mit der dritten WM-Qualifikation in Folge würde Costa Rica seinen Status als Fussballmacht Mittelamerikas bestätigen. Das Turnier löst im Land eine ungeheure Begeisterung aus, und die Auswahlmannschaften des Landes profitieren von den modernen Trainingseinrichtungen, die über das Goal-Programm der FIFA finanziert wurden. Ganz wichtig sind natürlich auch Beispiele wie Coronado, Kenton und Wanchope, die in einem Land, das inzwischen regelmäßig bei Weltmeisterschaften vertreten ist, eine wichtige Vorbildfunktion übernehmen.
Zum Auftakt des Com-Unity-Seminars betonte Eduardo Li Sánchez, der Präsident des costa-ricanischen Fussballverbands (Fedefútbol), noch einmal die Bedeutung des Fussballs für die Familien und Jugendlichen in Costa Rica. "Die Zukunft beginnt heute", sagte er und rief alle Sektoren zur Unterstützung auf.
Institutionelle Initiativen
Der FIFA-Entwicklungsbeauftragte Mauricio Caballeros erläuterte den Teilnehmern die Organisation der FIFA, die Wettbewerbe sowie den Wert des Fussballs für die Gesellschaft. Außerdem betonte er noch einmal die Notwendigkeit der Anpassung der Statuten der Nationalverbände an die Empfehlungen der FIFA.
Jorge Muñoz, Direktor des costa-ricanischen Instituts für Sport und Freizeit (Icoder) repräsentierte die Regierung auf diesem Forum und sprach von der Verbesserung der Einrichtungen und vom Bau des neuen Nationalstadions, das 2010 fertiggestellt sein soll.
Die Förderung des Fussballs in allen Bereichen der sozialen Entwicklung wurde von Margarita Claramunt vom costa-ricanischen Netzwerk für sportliche Aktivität und Gesundheit abgedeckt. Sie betonte vor allem, dass Sport ein wichtiges Instrument der Persönlichkeitsentwicklung sei. Sowohl UNICEF als auch die SOS-Kinderdörfer stellten die Programme vor, die sie in Zusammenarbeit mit der FIFA betreiben.
Die Arbeitsgruppen präsentierten eine Reihe von Vorschlägen. Thematisiert wurde unter anderem die Möglichkeit, dass Fedefútbol Ausbildungsprogramme in den Gemeinden ins Leben rufen und den Fussball als Präventivmaßnahme gegen soziale Probleme fördern solle. Auch die Organisation von Freizeit- und Jugendturnieren wurde vorgeschlagen.
Die Medien, Marketing und Frauenfussball
Am Seminar nahmen auch Medienvertreter teil. Sie beklagten die mangelnde Kommunikation zwischen den Medien und der nationalen Organisation und schlugen Mittel und Wege zur Abhilfe vor. Die Instruktoren Eduardo Rojas und Edgardo Broner schilderten die Erfahrungen der FIFA bei der Organisation von Veranstaltungen und die Rolle der PR-Manager.
Außerdem wurde das Marketing im Zusammenhang mit dem Frauenfussball diskutiert. Nach einem kurzen Exkurs zur Entwicklung der Sportart mit der Aufzählung von Meilensteinen, wie der Schaffung der Liga im Jahr 1999, der Ausrichtung diverser internationaler Turniere sowie der Qualifikation für die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Neuseeland 2008, waren sich alle darin einig, dass dieser Zweig weitreichende Möglichkeiten bietet. In diesem Zusammenhang informierte Eduardo Rojas über das Marketing bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Chile 2008.
Die Arbeitsgruppen präsentierten Vorschläge wie die Schaffung einer Internet -Community, die Nutzung der Plattform des Männerfussballs für die Förderung des Frauenfussballs sowie die Einbeziehung der Frauen zur Förderung des Fussballs als Familienaktivität.
Zum Abschluss des Seminars wurde noch einmal dazu aufgerufen, dass alle Sektoren an einem Strang ziehen sollten: Caballeros betonte, dass die costa-ricanischen Auswahlmannschaften trotz der Spaltungen innerhalb der Fussballfamilie erfolgreich seien und dass man mit vereinten Kräften noch viel mehr erreichen könnte. Kenton, Coronado und Wanchope sind sicherlich der lebende Beweis dafür, dass Erfolge auf dem Rasen vor allem durch Teamwork zu erreichen sind.

