Jeder Fussballprofi weiß, dass das Aufwärmen vor dem Betreten des Spielfelds eine "heilige Routine" ist, und zwar sowohl beim Training als auch vor einem Spiel. Mit diesen Aufwärmübungen wird der Körper auf die Belastungen eingestellt, die ihm später auferlegt werden. Mit einem guten Aufwärmprogramm kann man nicht nur seine Leistung steigern, viel wichtiger noch Verletzungen vermeiden.

Das FIFA Medical Assessment and Research Center (F-MARC) hat ein umfassendes Aufwärmprogramm entwickelt, das "Die 11+" genannt wird und sich leicht in die Abläufe jedes Fussballprofis integrieren lässt. Bei richtiger und regelmäßiger Anwendung lässt sich die Verletzungsgefahr durch das Programm minimieren.

Der ehemalige tschechische Starspieler Pavel Nedved ist ein überzeugter Anhänger dieser Aufwärmroutine, die er in seiner über 19-jährigen Karriere regelmäßig praktiziert hat. Das erklärt er in einem Gespräch mit dem F-MARC-Vorsitzenden Prof. Jiri Dvorak.

Eine in der renommierten britischen Medizinzeitschrift "British Medical Journal" veröffentlichte Studie belegt, dass mit "Die 11+" Verletzungen um ein Drittel reduziert werden konnten und die Gefahr, sich schwere Verletzungen zuzuziehen, sogar fast um die Hälfte sinkt - ein bislang einmaliges Ergebnis eines Aufwärmtrainings. Das Programm umfasst langsame und schnelle Laufübungen am Anfang und am Schluss und dazwischen Übungen zur Stärkung der Muskulatur, des Gleichgewichts, der Körperkontrolle und der Stabilität (Für weitere Informationen schauen Sie auf der Website www.fifa.com/medical nach). Aufgrund eigener positiver Erfahrungen empfiehlt der ehemalige Torjäger der alten Dame den jüngeren Spielern, dieses Programm in ihre Trainingsabläufe einzubauen.

Herr Nedved, zufällig haben Sie bei Juventus Turin mit der Rückennummer elf Erfolge gefeiert, und das von der FIFA/F-MARC entwickelte Präventionsprogramm heißt "Die 11+". Was halten Sie von solchen Präventionsprogrammen für Fussballer im Allgemeinen und insbesondere für Fussballprofis?
Die Zahl "11" scheint ganz eng mit meinem Schicksal verknüpft zu sein (lacht). Ich bin froh, an diesem fantastischen Programm beteiligt zu sein, das ich voll und ganz unterstütze. Prävention ist nicht nur für Fussballprofis wichtig, sondern auch für Amateure. Ich würde den jungen Spielern auf jeden Fall raten, das Programm in ihre Routine einzubauen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie damit gleichzeitig ihre fussballerischen Fähigkeiten weiterentwickeln und Verletzungen vorbeugen können.

Für einen Fussballprofi ist körperliche Fitness ein absolutes Muss. Wie bereiten Sie sich vor?
Natürlich muss man sich immer fit halten. Das heißt, man muss körperlich immer in Hochform sein, nicht nur für die Spiele, sondern auch für jedes einzelne Training. Daher ist es absolut unerlässlich, bei jedem Training und vor jedem Spiel die entsprechenden Kräftigungs- und Dehnübungen zu machen, die den Körper auf die nachfolgenden Belastungen vorbereiten.

Sie waren in Ihrer aktiven Laufbahn ein kreativer und technisch brillanter Mittelfeldspieler. Welchen Gefahren unterliegt Ihrer Meinung nach ein Spieler auf dieser Position?
Die größte Gefahr ist natürlich das körperbetonte Spiel, bei dem es zu harten Körperkontakten mit dem Gegner kommt. Insbesondere unvorhersehbares und beabsichtigtes hartes Einsteigen von hinten und von der Seite sowie der "Einsatz" der Ellenbogen. Das sind vielleicht die Spielsituationen, die ein technisch versierter Fussballer am meisten fürchtet. Wenn man sehr aufmerksam und schnell ist, kann man sie häufig umgehen. Ein technisch versierter Spieler muss sich auf die Rhythmuswechsel vorbereiten, auf die schnellen Antritte. Das erfordert ein hohes Maß an Konzentration - körperlich und geistig. Diese Konzentration sollte mit dem Aufwärmen beginnen. Das hat man mir schon als jungem Spieler beigebracht. Denn diese Präventionsmaßnahmen helfen bei jedem Training und bei jedem Spiel.

Wann haben Sie sich angewöhnt, vor dem Training und vor Spielen ein Aufwärmprogramm zu machen?
Mit fünf Jahren habe ich zum ersten Mal in einem Verein gespielt. Ich war zwölf, als wir nach Pilsen gezogen sind und hatte das Glück, bei einem sehr guten Verein unterzukommen. Dort hatte ich einen hervorragenden Trainer, der uns gezeigt hat, wie man trainiert, um den Körper optimal auf das Fussballspielen einzustellen. Das war ein toller Trainer, der es verstanden hat, uns täglich zu motivieren. Die Aufwärmübungen wurden zur Routine: Dehnübungen, Kräftigungsübungen und ein echtes Aufwärmen vor jedem Training. Als Kinder glaubten wir, dass das alles nicht wirklich nötig war, aber mit der Zeit habe ich begriffen, wie wichtig es ist, den Körper auf die Belastungen vorzubereiten, die ein Spiel mit sich bringt. Von klein auf ist das für mich zu einem Automatismus und einer Routine geworden, die ich während meiner gesamten Profikarriere beibehalten habe. Ich halte es für sehr wichtig, dass Kinder sich so früh wie möglich daran gewöhnen.

Welchen Rat würden Sie den nachfolgenden Generationen geben, die Sie als Vorbild sehen?
Im Nachhinein würde ich sagen, dass mein Erfolg vor allem auf die Grundlagen zurückzuführen ist, die gelegt wurden, als ich zwölf war. Nur so konnte ich so lange auf so hohem Niveau spielen, ohne mir eine einzige schwere Muskelverletzung zuzuziehen. Ich würde den jungen Spielern raten, dass sie ihren Körper fit halten und jeden Tag Zeit darauf verwenden sollen. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht.

Sie sagen, Sie hatten keine einzige Verletzung? In Ihrer gesamten Karriere?
Wenn wir von Muskelverletzungen reden, und das sind vermutlich die häufigsten Verletzungen bei Fussballern, dann hatte ich nie eine schwere Zerrung oder Kontraktur. Ich nehme an, dass das auf mein routinemäßiges Präventionsprogramm zurückzuführen ist. Trotzdem hatte ich drei schwerere Verletzungen, die allerdings immer auf Körperkontakte mit dem Gegner zurückzuführen waren und durch Aktionen zustande kamen, die als Foulspiel geahndet wurden. Zwei Mal habe ich mich am Meniskus verletzt, und ein Mal habe ich einen Ellenbogen-Schlag gegen meinen Kopf bekommen, der mich ohnmächtig werden ließ. Ich musste daraufhin zehn Tage im Krankenhaus verbringen. Diese Attacken mit dem Ellenbogen sind wirklich gefährlich und sollten ganz aus dem Spiel verschwinden. Ansonsten hatte ich viel Glück.