Heute fand im Londoner Wembley-Stadion die 131. jährliche IFAB-Generalversammlung statt. Dabei wurde eine neue Strategie verabschiedet, nach der die Spielregeln genutzt werden sollen, um die Fairness und die Entwicklung des Fussballs zu fördern.

Das International Football Association Board (IFAB), bestehend aus den Fussballverbänden von England (The FA), Schottland (SFA), Wales (FAW) und Nordirland (IFA) sowie der FIFA (die die 207 verbleibenden Nationalverbände repräsentiert), beschloss, das Verhalten der Spieler auf dem Platz stärker als bisher in den Mittelpunkt zu rücken. Insbesondere könnte dazu der Verantwortungsbereich der Spielführer erweitert werden, damit sich das Verhalten auf dem Feld sowie die Kommunikation zwischen den Spielern und den Schiedsrichtern verbessert. Zudem wurde über Möglichkeiten diskutiert, gegen das Zeitschinden vorzugehen, das insbesondere von Seiten der Fans immer wieder als Problem gesehen wird.

"Wir hatten eine volle Agenda. Wir haben vier Stunden intensiv über eine Vielzahl von Dingen diskutiert. Von dem Verhalten der Spieler sowie der Rolle des Kapitäns über die Video-Technologie und deren Einsatz im Spiel bis hin zu den Regeln des Spiels und wie wir diese weiter verbessern und klarer für jedermann machen können, weil diese die Grundalge des Fussballs sind. Wir wollen sicherstellen, dass die Regeln dazu beitragen, dass der Fussball besser und fairer wird und mehr Spaß macht."
David Elleray, Technischer Direktor des IFAB

Zudem wurde in einer wegweisenden Entscheidung beschlossen, dass den Mitgliedsverbänden mehr Freiheiten bei der Anpassung der organisationsrelevanten Spielregeln zugestanden werden sollen. Dies kann beispielsweise bedeuten, dass mehr Einwechslungen zugelassen werden oder die Spieldauer verändert wird, um mehr Menschen zur Teilhabe am Fussball zu motivieren. Diese Änderungen sind für Mannschaften unterhalb der ersten Mannschaft der Klubs in der höchsten nationalen Spielklasse sowie unterhalb von A-Nationalspielen vorgesehen.

Im Nachwuchs-, Grassroots- und Behinderten-Fussball werden ab sofort Zeitstrafen zugelassen, ebenso wie eine Flexibilisierung der Einwechslungen (durch rotierende Wechsel). Auch diese Maßnahmen sollen auf globaler Ebene zu einer verstärkten Teilhabe am Fussball führen.

"Es war meine erste jährliche Generalversammlung und ich denke, wir haben gute Entscheidungen für den Fussball getroffen - nicht nur für den Spitzensport, sondern auch für den Amateur- und Jugendbereich. Ich glaube, wir können zufrieden sein." 
Marco van Basten, Leitender Beauftragter der FIFA für Technische Entwicklung

Ein weiteres zentrales Thema bei der Generalversammlung war die Einführung neuer Technologien im Fussball. Die Nutzung elektronischer Kommunikationssysteme durch medizinisches Personal im technischen Bereich – beispielsweise medizinische Daten und Videomaterial auf Tablet-Computern – wurde verabschiedet, damit potenzielle Verletzungen besser beurteilt und Schutz und Sicherheit der Spieler verbessert werden können.

Der Versammlung wurden auch aktuelle Informationen zu den Fortschritten der weltweit durchgeführten Tests mit Video-Schiedsrichterassistenten (VSA) vorgelegt, nachdem die erste Testphase mittlerweile abgeschlossen ist. Berichte von mehr als 20 Testspielen und einer Reihe von Workshops wurden vorgelegt. Die in der ersten Phase gewonnenen Erkenntnisse werden in der nächsten Phase berücksichtigt, die 2017 in fast 20 Wettbewerben unter Realbedingungen rund um die Welt beginnt.

"Wir haben absolute Experten des Weltfussballs zusammen gebracht [im Wembley]. Von fantastischen ehemaligen Schiedsrichtern bis hin zu fantastischen ehemaligen Spielern. Das Zusammenspiel zwischen den Nationalverbänden und der FIFA wurde hier zum Leben erweckt. Wir haben im verganenen Jahr tolle Arbeit geleistet und das ist wahrscheinlich das Beste der gesamten Veranstaltung."
Martin Glenn, Geschäftsführer der FA (England)

Die 132. jährliche IFAB-Generalversammlung wird im Februar oder März 2018 von der FIFA als Gastgeber ausgerichtet.

Die auf der heutigen jährlichen IFAB-Generalversammlung beschlossenen Änderungen der Spielregeln treten am 1. Juni 2017 in Kraft, mit Ausnahme der Wettbewerbe, die zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen haben.