In Cardiff fand die 130. jährliche Generalversammlung des International Football Association Board (IFAB) statt. Auf der Tagesordnung standen unter anderem die Einführung von Video-Schiedsrichterassistenten und die so genannte Dreifachbestrafung von roter Karte, Strafstoß und Platzverweis nach der Verhinderung einer klaren Torchance innerhalb des Strafraums.

Zu den weiteren Themen gehörten die Einführung einer vierten Einwechslung in der Verlängerung und von Strafbänken im Jugendfussball. Nach der mehrstündigen Diskussion wurden die Beschlüsse des Gremiums in einer Pressekonferenz bekanntgegeben, die per Live-Stream auf FIFA.com zu sehen war. Nachfolgend einige der wichtigsten Zitate.

Gianni Infantino, FIFA-Präsident:
Wir haben heute eine historische Entscheidung für den Fussball getroffen. IFAB und FIFA übernehmen nunmehr die Führung der Debatte anstatt sie zu verhindern. Wir haben gezeigt, dass wir auf die Fans, die Spieler und den Fussball hören und gesunden Menschenverstand einsetzen. Natürlich müssen wir vorsichtig vorgehen, und das tun wir. Gleichzeitig müssen wir offen für diese Themen sein und konkrete Schritte unternehmen, um zu zeigen, dass nicht nur in der FIFA, sondern auch im IFAB eine neue Ära angebrochen ist.

Wir können unsere Augen vor der Zukunft und der Technologie nicht verschließen. Es sind bedeutende Tests, die wir angehen, und wir müssen sehr vorsichtig vorgehen, um das Wesen des Fussballs zu schützen. Der Spielfluss des Fussballs ist ein entscheidender Faktor. Wir müssen abwarten, welche Auswirkungen die Videotechnik auf den Spielfluss haben wird. Diesen dürfen wir niemals gefährden. Um in der Lage zu sein, ernsthafte Diskussionen über dieses Thema zu führen, müssen wir das testen. Wir müssen uns das ansehen, um in der Lage zu sein, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob es das Richtige für den Fussball ist oder nicht. Wir müssen offen für Tests sein und die Diskussion führen.

Über die zweijährige Testphase für die Neufassung der Regel 12 zur 'Dreifachbestrafung':
Wenn ein Torhüter oder ein Verteidiger im Strafraum ernsthaft und aufrichtig versucht, um den Ball zu kämpfen, wird es keine rote, sondern nur eine gelbe Karte geben. In anderen Fällen wie grobem Foulspiel, Ziehen oder Stoßen, was nicht der Balleroberung dient, wird es weiterhin eine rote Karte und einen Strafstoß geben. Diese Änderung tritt am 1. Juni in Kraft, so dass die Regel bei der UEFA EURO 2016 und der Copa America Centenario gültig sein wird.

Stewart Regan, Geschäftsführer des schottischen Fussballverbands:
Der schottische Pokal ist ein Wettbewerb, an dem wir interessiert wären. Es ist eine spannende Chance für den Fussball. Vielen von uns ist schon lange daran gelegen, den Einsatz von technischen Hilfsmitteln im Fussball voranzubringen, und heute haben wir das endlich getan. Wir haben eine wichtige Entscheidung für die Fussballwelt getroffen.

Wir haben etwa 13 Interessensbekundungen, um daran teilzunehmen. Es müssen klare Informationswege zwischen einem Schiedsrichter und einem Video-Assistenten bestehen. Das bedeutet, dass wir ein Schulungsprogramm einrichten müssen, um sicherzustellen, dass beide Parteien exakt wissen, was sie erwartet, wenn wir den Betrieb aufnehmen. Denn dies wird ein fundamentaler Wandel in der Art und Weise sein, wie wir ein Fussballspiel führen. Freundschaftsspiele sind ein sehr guter Bereich, um Versuche durchzuführen und die Tests zu beginnen.

Jonathan Ford, Geschäftsführer des walisischen Fussballverbands:
In der langen Geschichte (des IFAB) war dies wohl eine der wichtigsten und historischsten Generalversammlungen, für welche dieses Gremium zusammenkommen durfte. Die Einführung von Strafbänken wurde diskutiert, dies befindet sich noch im experimentellen Status. Die UEFA wird diese Experimente durchführen. Wir sehen das im Jugendbereich als ein Mittel zur Verbesserung des Verhaltens anstatt durch einen dauerhaften Platzverweis das Spiel komplett zu verändern.

Patrick Nelson, Geschäftsführer des irischen Fussballverbands:
Wir wollen sicherstellen, dass der IFAB die Kontrolle über diese Tests behält. Es ist uns bewusst, dass recht viele Ligen und Verbände bereits den Wunsch zum Ausdruck gebracht haben, daran teilzunehmen. Wir wollen nicht halbherzig an die Sache herangehen. Wir werden uns daher die erforderliche Zeit nehmen, um sicherzustellen, dass jedes Experiment, dem wir zustimmen, genau den Wünschen des IFAB entspricht und wir das Gefühl haben, dass es gut für den Fussball ist.

Martin Glenn, Geschäftsführer des englischen Fussballverbands:
"Es ist die Anwendung der Technologie in der Praxis, welche sich als schwierig erweist. Beeinträchtigt es die fundamentale Einfachheit des Fussballs? Wir müssen das zunächst testen, bevor wir es in Betrieb nehmen. Wir freuen uns sehr für die jeweiligen Wettbewerbe, die daran teilnehmen werden. Der einschränkende Faktor für einen korrekten Einsatz von Video-Schiedsrichterassistenten wird die Frage sein, wie viele Kameras in einem Spiel vorhanden sein werden? In der ersten Runde des FA Cup wird es keine 30 Kameras geben.