Der mögliche Einsatz von Video-Schiedsrichterassistenten im Fussball macht weitere Fortschritte. Bei einem dritten Seminar in Zürich am 27. und 28. Oktober arbeiteten IFAB und FIFA weiter eng mit den Vertretern aus den interessierten Ligen und Verbänden zusammen.

Nach den vorangegangenen Seminaren in den Niederlanden und den USA sowie einigen Live-Tests in der U.S.-amerikanischen Major League Soccer und bei einem Freundschaftsspiel zwischen Italien und Frankreich letzten Monat wurden mit den Vertretern aus Australien, Belgien, Brasilien, Frankreich, Deutschland, Italien, Mexiko, den Niederlanden, Portugal, Katar und den USA weitere Aspekte bezüglich der Aus- und Fortbildung besprochen.

Der Technische Direktor des IFAB, David Elleray, widmet sich der Ausbildung der Spieloffiziellen, während sich der Leiter der FIFA-Abteilung für Fussball, Technologie und Innovation, Johannes Holzmüller, auf die Verfahren zur Einführung und die technische Einrichtung konzentriert. Die Hoffnung ist, dass die Teilnehmer "weiter zusammenarbeiten und auf dem richtigen Weg bleiben", wie Elleray am Donnerstag im Home of FIFA sagte.

"Minimale Einmischung für größtmöglichen Nutzen"
Nachdem nun die ersten direkten Erfahrungen sowohl auf Seiten der Schiedsrichter wie auch der Videoassistenten gesammelt werden konnten, wurden die Teilnehmer auf verschiedene neue Aspekte hingewiesen. Die vorherrschende Philosophie lautete "minimale Einmischung für größtmöglichen Nutzen" mit besonderem Fokus darauf, wie mit "klaren Fehlentscheidungen in spielentscheidenden Situationen" umzugehen ist.

Es kamen erfahrene Schiedsrichter, Schiedsrichter-Verwalter und Projektmanager zu Wort. Das Ziel für die Zukunft sei laut Elleray, "den Fluss und die Emotionen des Spiels beizubehalten, während spielverändernde Vorkommnisse überprüft werden." Zu diesem Zweck wurden mehrere betriebliche und organisatorische Änderungen vorgeschlagen, wie beispielsweise die Einführung eines Assistenten für den VSA (AVSA), der den VSA bei der Überwachung und der Kommunikation unterstützt. Des Weiteren Änderungen in der Kommunikation zwischen Videoraum und Spielfeld sowie die Änderung des Ablaufs der Überprüfung von Spielsituationen vor Ort (am Spielfeldrand) für den Schiedsrichter.

Die Teilnehmer betrachteten auch eine Reihe von Beispielsituationen, in denen der Einsatz des VSA von besonderer Bedeutung sein könnte. In der Nachmittagssitzung konnten die Teilnehmer die Arbeit der Schiedsrichter aus der Nähe verfolgen oder neben dem Prüfer der Videowiederholungen sitzen und mehr über die Interaktion zwischen den beiden erfahren. Elleray betonte, dass wohl über 95 Prozent der Entscheidungen keinen Einsatz des VSA rechtfertigen. Aber Tore, Elfmeter, direkte rote Karten oder Fehler bei der Identifizierung von Spielern seien die Momente, in denen eine Überprüfung von der Kabine aus am meisten dabei helfen würde, ernste Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Technische Transparenz
Elleray wies ferner darauf hin, dass es für die Schiedsrichter eine langfristige Lernkurve geben würde, um sich an den Ablauf zu gewöhnen. Zumal alle Vertreter daran arbeiteten, ein einheitliches Protokoll zu erstellen für alle Situationen, die überprüft oder nicht überprüft werden müssen und welche Abläufe dafür am besten geeignet sind. Als besonders wichtig wurde erachtet, die Entscheidungsgewalt in den Händen der Schiedsrichter zu belassen und diese weder unnötig abzulenken noch deren Autorität zu untergraben.

Ein Diskussionsthema war, wie festzulegen ist, bei welchen Entscheidungen ein Eingreifen des VSA erfolgen soll. Außerdem wurde darüber debattiert, was als "klarer Fehler" gelten soll. Als solche werden Momente erachtet, in denen "fast alle neutrale Beobachter übereinstimmen, dass die Entscheidung falsch war." Großes Interesse galt auch der Frage nach den besten Arbeitsabläufen und den Kommunikationsrichtlinien für die verfügbare Technik, die auf Systemen der Unternehmen Hawk-Eye und ChyronHego basiert (die derzeit zu Demonstrationszwecken im VSA-Trainingszentrum im Home of FIFA aufgebaut sind).

"Wir haben mit den Projektleitern die technische Einrichtung der VSA-Systeme besprochen, um sicherzustellen, dass den VSA und dem Schiedsrichter auf dem Platz so schnell wie möglich die besten Kamerawinkel geliefert werden können", sagte Holzmüller. "Hierfür haben zwei Anbieter der Technologie ihre Geräte für die Überprüfung von Spielsituationen vor Ort vorgestellt. Außerdem wurde unter den verschiedenen Interessenvertretern besprochen, an welchem Ort diese Überprüfung am besten stattfinden kann. Zusätzlich wurden unter den Teilnehmern dieses Seminars erste Ideen ausgetauscht, wie die Zuschauer im Stadion oder vor dem Fernseher darüber informiert werden können, dass eine Überprüfung stattfindet."

Das IFAB (International Football Association Board) ist die unabhängige Instanz für die Pflege und Aktualisierung der Spielregeln im Fussball. Im März 2016 beschloss der Rat, der aus Vertretern der Fussballverbände Englands, Nordirlands, Schottlands, Wales und der FIFA besteht, nach vorheriger Beratung mit der Fussballgemeinschaft, zu prüfen, ob die Einführung von VSA im Fussball machbar ist. Die Entscheidung über die Einführung einer solchen Technologie wurde für 2018 oder 2019 ins Auge gefasst.