Am heutigen Samstag, 28. Februar 2015, fand die 129. Jahresversammlung des International Football Association Board (IFAB) im Hotel Culloden in Craigavad nahe der nordirischen Hauptstadt Belfast statt.

Die Versammlung, die von Jim Shaw, dem Präsidenten des irischen Fussballverbands geleitet wird, folgt auf die ersten Sitzungen der beiden neuen Beratungsgremien für Technik und Fussball im November 2014. Die beiden Gremien, denen Vertreter verschiedenster Fussballbereiche angehören, sollen das IFAB fachlich unterstützen, bevor Änderungen der Spielregeln beschlossen werden.

Nach eingehenden Analysen der so genannten "Dreifachbestrafung" (Regel 12), bestehend aus Feldverweis, Strafstoß und Sperre bei Vereitelung einer klaren Torchance innerhalb des Strafraums beschloss das IFAB, dass diese Bestrafung zu hart ist und eine Lösung gefunden werden muss. Der von der UEFA eingereichte Vorschlag mit der Nennung bestimmter detaillierter Fälle, in denen der Schiedsrichter eine Verwarnung statt einer Roten Karte erteilen sollte, wurde abgelehnt. Nach intensiver Debatte einigte sich das IFAB prinzipiell darauf, dass ein Element der Dreifachbestrafung aufgehoben werden könnte, nämlich die automatische Sperre für ein Spiel, die derzeit im FIFA-Disziplinarreglement festgeschrieben ist.

Das IFAB beauftragte die FIFA und deren Disziplinar- und Regelkommissionen, die Möglichkeit zu erörtern, auf globaler Ebene die automatische Sperre für ein Spiel aufzuheben, sofern es sich bei dem Regelverstoß zur Verhinderung einer klaren Torchance nicht um ein schweres Vergehen handelt. In Abhängigkeit vom Ergebnis dieser Analyse wird die FIFA dem FIFA-Exekutivkomitee im März einen Vorschlag zu möglichen Änderungen des FIFA-Disziplinarreglements vorlegen.

In Bezug auf Regel 3 – Zahl der Spieler, traf das IFAB die wegweisende Entscheidung, in den unteren Klassen des Fussballs künftig eine Flexibilisierung der Auswechslungen zuzulassen. Dieser Schritt erfolgt angesichts erfolgreicher Tests im Rahmen zweier unabhängiger Pilotprogramme des englischen Fussballverbands und des schottischen Fussballverbandes. Die neue Regelung sieht vor, dass die Entscheidung über die Flexibilisierung der Auswechslungen von den jeweiligen Mitgliedsverbänden zu treffen ist.

Ebenfalls in Bezug auf Regel 3 ist das IFAB weiterhin der Überzeugung, dass eine maximale Anzahl von drei Auswechslungen für ein Fussballspiel angemessen ist. Es wurde beschlossen, den Vorschlag einer vierten Auswechslung in der Verlängerung, die heute auf der Tagesordnung stand, zunächst an die Beratungsgremien zu verweisen, bevor das IFAB diese Thematik erneut diskutiert. 

Zum Themenkomplex elektronischer Leistungs- und Aufzeichnungssysteme beschloss das IFAB, den Einsatz derartiger Systeme im Grundsatz zuzulassen, sofern die entsprechenden Daten während des Spiels keinen Personen in der Technischen Zone zugänglich gemacht werden. Der nächste Schritt besteht in der Einführung eines Qualitätsprogramms zur Kategorisierung derartiger Geräte, zur Regulierung ihres Einsatzes und zur Sicherstellung der Gültigkeit und Zuverlässigkeit der gesammelten Daten, bevor das IFAB über entsprechende Änderungen der Spielregeln beraten kann.

Zum Thema der möglichen Nutzung von Videoaufnahmen zur Unterstützung der Spieloffiziellen gab es während der Versammlung eine intensive Diskussion, bei der auch die Ergebnisse der beiden Beratungsgremien berücksichtigt wurden. Das IFAB beschloss, dass diese Thematik noch detaillierter von den Beratungsgremien diskutiert werden soll.

Zu den weiteren Themen, die an die Beratungsgremien verwiesen wurden, gehören das Handspiel, die mögliche Einführung einer Strafbank für Zeitstrafen sowie die Auslegung der Abseitsregel. Ein Vorschlag des U.S.-amerikanischen Verbandes US Soccer zum Anhalten der offiziellen Spielzeit wurde nicht angenommen.

Die beiden Beratungsgremien treten in diesem Jahr noch zwei Mal bis zur jährlichen IFAB-Arbeitssitzung im November zusammen. Bei dieser Sitzung des IFAB können mögliche Änderungen der Spielregeln dann zur Entscheidung an die Jahresversammlung weitergeleitet werden.

Als letzten Punkt der Tagesordnung beschloss das IFAB, die Bedeutung von William McCrum angemessen zu würdigen. Dieser hatte als Mitglied des Irischen Fussballverbands 1890 die Einführung von Strafstößen vorgeschlagen. Die FIFA hat zugesagt, die Kosten für die notwendige Restaurierung der Grabstätte von William McCrum zu übernehmen.

Die 130. Jahresversammlung des IFAB findet vom 4. bis 6. März 2016 in Cardiff (Wales) statt.