Bis nächsten Donnerstag, 29. Januar 2015, können die FIFA-Mitgliedsverbände Kandidaten für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen vorschlagen. Gemäß FIFA-Statuten müssen Kandidaturen bis spätestens vier Monate vor Beginn des entsprechenden Wahlkongresses mitgeteilt werden, der in diesem Jahr am 29. Mai in Zürich stattfinden wird.

Im Rahmen des FIFA-Reformprozesses wurde für die Wahl des FIFA-Präsidenten erstmals ein Reglement erlassen, um ein transparentes und faires Wahlverfahren sicherzustellen. Im Juni 2014 wurde zur Überwachung des Wahlverfahrens gemäß besagtem Reglement eine Ad-hoc-Wahlkommission eingesetzt. Laut Art. 7 Abs. 2 des Reglements setzt sich die Audit- und Compliance-Kommission aus den Vorsitzenden der Disziplinarkommission (Claudio Sulser), der Berufungskommission (Larry Mussenden) sowie der Audit- und Compliance-Kommission (Domenico Scala) zusammen.

FIFA.com hat Domenico Scala, der von der Ad-hoc-Wahlkommission zu ihrem Vorsitzenden ernannt wurde, zum Wahlverfahren bis zum FIFA-Kongress im Mai 2015 befragt. 

Herr Scala, kurz vor Ablauf der Frist zur Eingabe von Kandidaturen wird allgemein erwartet, dass bis 29. Januar 2015 feststeht, wer für das Amt des FIFA-Präsidenten kandidieren wird. Wann werden wir es genau wissen?
Die Ad-hoc-Wahlkommission braucht etwas Zeit, bis sie die Kandidaten bekanntgeben kann. Und zwar aus einem einfachen Grund: Jeder der 209 Mitgliedsverbände kann bis am Ende des Tages am 29. Januar 2015 einen Kandidaten für das Amt des Präsidenten vorschlagen. Das heisst aber nicht zwangsläufig, dass wir bis 29. Januar im physischen Besitz aller maßgebenden Dokumente sind. Es reicht etwa, wenn der Poststempel bestätigt, dass die Eingabe fristgemäß erfolgte. Es ist deshalb möglich, dass die entsprechenden Dokumente erst in den kommenden Tagen eintreffen, z. B. Anfang Februar. Wir müssen sicherstellen, dass alle Unterlagen berücksichtigt werden, ehe wir mit der Prüfung der Voraussetzungen der einzelnen Kandidaten beginnen, die gemäß den maßgebenden Bestimmungen der FIFA-Statuten und des FIFA-Reglements gelten. Aus diesem Grund kann die Ad-hoc-Wahlkommission vor Prüfung der vorgeschlagenen Kandidaten keine Namen bestätigen. Wir können uns bei Ablauf der Frist deshalb zu keinen Kandidaten äußern, egal ob sie ihre Kandidatur bereits bekanntgegeben haben oder nicht.

Wie prüft die Ad-hoc-Wahlkommission die Wählbarkeit?
Um wählbar zu sein, muss ein Kandidat u. a. während zweier Jahre in den letzten fünf Jahren im Association Football eine aktive Rolle gespielt haben, bevor er als Kandidat vorgeschlagen werden kann, und unterstützende Erklärungen von mindestens fünf Mitgliedsverbänden vorlegen. Die Kandidaturen müssen binnen der vorgegebenen Frist schriftlich beim FIFA-Generalsekretariat eingereicht werden, das sie anschließend an die Ad-hoc-Wahlkommission weiterleitet, woraufhin diese die Kandidaturen prüft und über deren Zulassung zur FIFA-Präsidentschaftswahl entscheidet. Vor einer entsprechenden Entscheidung weist die Ad-hoc-Wahlkommission die Untersuchungskammer der Ethikkommission nach Empfang einer vorgeschlagenen Kandidatur jedoch zuerst an, binnen zehn Tagen, wie im Reglement für die Wahl des FIFA-Präsidenten festgelegt, eine Leumundsprüfung vorzunehmen. Nach Erhalt der Leumundsprüfung tritt die Ad-hoc-Wahlkommission zusammen, um alle eingereichten Kandidaturen zu prüfen und über deren Zulassung und Bekanntgabe zu entscheiden. Erst nachdem die Untersuchungskammer der Ethikkommission die Leumundsprüfungen abgeschlossen und die Ad-hoc-Wahlkommission überprüft hat, dass die eingereichten Kandidaturen den maßgebenden FIFA-Bestimmungen entsprechen, kann die Ad-hoc-Wahlkommission Kandidaturen offiziell zulassen und bekanntgeben. Es versteht sich von selbst, dass dies so früh wie möglich geschehen soll.

Wie funktioniert das Wahlverfahren, und welches sind die weiteren Schritte bis zum Kongress?
Sollte ein bestätigter Kandidat die gleiche Nationalität aufweisen wie ein Mitglied der Ad-hoc-Wahlkommission, müsste dieses Mitglied gemäß Reglement für die Wahl des FIFA-Präsidenten sein Amt abgeben, um einen möglichen Interessenkonflikt zu vermeiden, und wird automatisch durch den Vizevorsitzenden der entsprechenden Kommission ersetzt. Die Ad-hoc-Wahlkommission wird die Kampagnen und Tätigkeiten aller zugelassenen und bekanntgegebenen Kandidaten streng überwachen, um eine korrekte Anwendung des Reglements bis zum Wahltag am 29. Mai 2015 sicherzustellen. Einen Monat vor dem Kongress werden die Mitgliedsverbände die Tagesordnung des Kongresses sowie die Liste aller zur Wahl zugelassenen und bekanntgegebenen Kandidaten erhalten. Die Ad-hoc-Wahlkommission wird ebenfalls das administrative Verfahren der eigentlichen Wahl überwachen. 

Gelten für die Kandidaten während der Wahlperiode irgendwelche Beschränkungen?
Kandidaten, die Ämter innerhalb des Association Football bekleiden, dürfen diese während der Wahlkampagne behalten. Allerdings gelten bestimmte Regeln. Alle Kandidaten unterstehen dem FIFA-Ethikreglement. Bei Unregelmäßigkeiten kann gegen sie folglich eine Untersuchung eingeleitet werden. Kandidaten müssen zudem Interessenkonflikte vermeiden, insbesondere im Zusammenhang mit der Finanzierung ihrer Kampagne. Und schließlich dürfen Kandidaten, die offizielle Ämter bekleiden, ihre Kampagne nicht mit der Ausübung ihres offiziellen Amts vermischen.