Auch wenn Dopingfälle im Fussball nicht gerade häufig sind, für die Ärzte der FIFA-Mitgliedsverbände ist Doping nach wie vor ein wichtiges Thema. Eine zentrale Rolle wird dabei künftig dem biologischen Profil für Spieler zukommen - ein Projekt, dessen Umsetzung unmittelbar bevorsteht. Die damit verbundene Problematik wurde auch auf der FIFA-Medizinkonferenz am 24. Mai in Budapest erörtert.

"Das Spiel hat sich enorm weiter entwickelt, es ist viel athletischer geworden. Tempo und Rhythmus sind heute höher denn je. Dies gilt auch für die Anzahl der Spiele, die innerhalb einer Saison absolviert werden. Die Spieler müssen stets Höchstleistungen bringen. Der Kampf gegen Doping ist ein ernst zu nehmendes Thema, denn auch im Fussball gibt es durchaus Betrüger, das ist eine Tatsache", sagte FIFA‑Präsident Joseph S. Blatter in seiner Eröffnungsrede.

Michel D'Hooghe, Präsident der Medizinischen Kommission der FIFA und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, erinnerte seinerseits daran, dass die ersten Maßnahmen der FIFA zur Dopingbekämpfung bereits während der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Mexiko 1970™ eingeleitet wurden, und dass sich seither an der Haltung der FIFA in dieser Frage nichts geändert habe. "Wir haben den Kampf gegen jegliches Doping vor allem deshalb aufgenommen, weil es gegen die Normen der Ethik und das Fairplay im Fussball verstößt und der Gesundheit der Spieler schadet."

Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur
Auf welche Weise engagiert sich die FIFA nun konkret im Anti-Doping-Kampf? Zunächst in Form der Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Hinzu kommt die Einführung konkreter Regularien, deren Einhaltung durch die einzelnen Mitgliedsverbände entsprechend kontrolliert wird. Dazu Prof. Jiri Dvorak, Chefmediziner der FIFA und Vorsitzender des Zentrums für medizinische Auswertung und Forschung der FIFA (F-MARC): "Seit 2009 befinden wir uns in Übereinstimmung mit dem Anti-Doping-Code der WADA. Unsere Mitgliedsverbände müssen die FIFA-Regularien zur Dopingbekämpfung übernehmen. Die Durchführung von Dopingkontrollen bei Wettbewerben, aber auch darüber hinaus, liegt demnach in der Verantwortung der Mitgliedsverbände. Zudem müssen die Verbände auch mit den regionalen Agenturen der WADA kooperieren."

Des Weiteren hob Dvorak hervor, dass "von den rund 30.000 pro Jahr durchgeführten Dopingkontrollen lediglich 0,3 Prozent positiv waren - eine Quote, die zu den niedrigsten überhaupt im Sport zählt. Und nur 0,03 Prozent der positiven Kontrollen standen im Zusammenhang mit anabolen Steroiden." Unter dem Strich also recht beruhigende Zahlen, wenngleich damit der Kampf gegen das Doping noch lange nicht zu Ende ist. "Wir wollen nichts beschönigen, denn wir wissen, dass wir diesen Kampf fortführen müssen. Und der nächste Schritt besteht in der Einführung eines biologischen Langzeitprofils. Diesbezüglich arbeiten wir eng mit der WADA zusammen. Außerdem brauchen wir dazu die Unterstützung seitens der Klubs und der Spieler", so der Chefmediziner der FIFA weiter.

Spätestens jetzt drängte sich die Frage auf, wie der biologische Spielerpass aussehen soll. Martial Saugy, Leiter des Anti-Doping-Labors Lausanne, erläuterte es auf wissenschaftliche Weise. "Dabei handelt es sich um ein individuelles Langzeitprofil. Beispielsweise erfolgt das Spritzen synthetischer EPO-Präparate mit dem Ziel, den Anteil roter Blutkörperchen im menschlichen Blutkreislauf zu erhöhen. Früher wurde die Zuwachsquote des Hämatokrit-Wertes lediglich spontan gemessen. Seit der Hämoglobin-Spiegel zu verschiedenen Zeiten gemessen wird, können wir für jeden Einzelnen ein Langzeitprofil mit den niedrigsten und den höchsten Messwerten erstellen."

Erziehung und Aufklärung  im Fokus
Ergänzend dazu sagte der Professor aus der Schweiz, der 2011 während der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2011 eine Pilotstudie zu dieser Problematik erarbeitete, dass mit der gleichen Art von Messungen auch der Anteil an anabolen Steroiden nachgewiesen werden kann.

Seitens der WADA besteht die Zielstellung im Anti-Doping-Kampf zunächst einmal darin, dass der von ihr festgelegte Code eingehalten wird, wie WADA-Generaldirektor David Howman betonte. "Außerdem müssen wir uns davon überzeugen, dass die eingeführten Regeln auch effizient sind. Wir müssen in der Lage sein, eventuelle Betrüger ausfindig zu machen, und wir müssen sicher sein, dass alle Akteure ausreichend mit diesem Thema vertraut sind. Schließlich müssen wir sicherstellen, dass die von uns eingesetzten Mittel auch richtig zur Anwendung kommen. Meiner Auffassung nach ist dabei der Hinweis wichtig, dass wir grundsätzlich mehr Erziehung und Aufklärung anstreben und weniger Doping-Tests wollen. Ziel ist demnach eher eine höhere Qualität als ein quantitativer Anstieg der Doping-Kontrollen."

Mit besonderer Freude nahm David Howman die FIFA-Initiative zur Einführung des biologischen Profils zur Kenntnis, die er als "eine bedeutende Waffe zur Dopingbekämpfung und als ein wichtiges Instrument zur Überwachung des Gesundheitszustandes der Spieler" bezeichnete. Und was den konkreten Zeitpunkt für die Umsetzung dieses Projektes anbelangt, so steht dieser laut Prof. Dvorak bereits fest. "Unser Ziel ist es, den biologischen Pass für all diejenigen Teams einzuführen, die sich für die die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ qualifizieren."