Der amtierende FIFA-Präsident Joseph S. Blatter wurde am 29. Mai 2015 beim 65. FIFA-Kongress in Zürich für eine fünfte Amtszeit wiedergewählt. Nach dem ersten Wahlgang (206 gültige Stimmen, 133 für Joseph S. Blatter, 73 für Prinz Ali bin al-Hussein) wandte sich Prinz Ali bin al-Hussein an den Kongress, um den Rückzug seiner Kandidatur bekanntzugeben. Zu Beginn des Verfahrens hatte der Kongress bestätigt, dass alle 209 FIFA-Mitgliedsverbände stimmberechtigt waren.

Nach seiner Wiederwahl sagte Joseph S. Blatter: "Zuerst möchte ich Prinz Ali bin al-Hussein gratulieren. Er hat ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Dann möchte ich Ihnen für das Vertrauen und den Zuspruch danken. Ich nehme die Verantwortung an, die FIFA wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehört. Und ich verspreche Ihnen: Am Ende meiner Amtszeit werde ich eine sehr starke FIFA übergeben. Let's go FIFA!"

Weiter sagte er: "Die ozeanische Konföderation verdient mehr Respekt. Und auch wenn ich der Meinung bin, dass wir die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft nicht antasten sollten, braucht es bei den FIFA-Jugendturnieren ein größeres Gleichgewicht. Wir brauchen ebenfalls mehr Frauen in den Fussballinstitutionen."

In seiner Ansprache am Morgen erklärte der FIFA-Präsident: "Die Ereignisse dieser Woche haben einen Schatten auf den Fussball und unseren Kongress geworfen. Aber die Schuldigen – sofern sie für schuldig befunden werden – sind Einzelpersonen, es ist nicht die gesamte Organisation! Gemeinsam müssen wir den Schaden beheben. Und zwar sofort! Ich rufe Sie auf, die FIFA wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Sie sind die FIFA, und die FIFA braucht Sie."

Nach der intensiven Vermittlungstätigkeit des FIFA-Präsidenten mit den Fussballinstitutionen und den höchsten politischen Behörden in Israel und Palästina stimmte der Kongress der Bildung einer Kommission zu, die gemäß FIFA-Reglementen über verschiedene Punkte wachen wird, die die Entwicklung des Fussballs in Palästina betreffen. Dazu gehören der Verkehr von palästinensischen und ausländischen Spielern und Offiziellen nach, aus und in Palästina. Vor dem Beschluss war es zum Handschlag zwischen den Präsidenten der beiden Verbände, Jibril al-Rajoub und Ofer Eini, gekommen. Kurz nach dem Beschluss zog der palästinensische Fussballverband seinen Antrag auf Suspendierung des israelischen Fussballverbands zurück.

FIFA-Präsident Blatter begrüßte den Beschluss des Kongresses: "Das ist ein wegweisender Schritt, der einmal mehr zeigt, wie der Fussball Frieden und Toleranz fördert. Ich gratuliere beiden Verbänden. Die FIFA wird die nächsten Schritte genau kontrollieren, damit die Einigung im Interesse der Fussballentwicklung in der Region reibungslos umgesetzt wird."

Nach einem Bericht über die letzten Maßnahmen des Weltfussballverbands im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung betonte der FIFA-Präsident: "Der Kongress 2013 stimmte Disziplinarstrafen wie Punktabzug, Relegation oder Ausschluss eines Teams zu. Ich bin überzeugt, dass solche Sanktionen, sobald sie von den Disziplinarorganen der Fussballinstitutionen rund um die Welt verhängt werden, wesentlich dazu beitragen werden, den Fussball von dieser Geissel zu befreien."

Die Delegierten wurden im Weiteren über die Kampagne Handschlag für den Frieden informiert, die nun fester Bestandteil des Spielprotokolls bei allen FIFA-Wettbewerben ist. So geben sich die Spielführer der Teams und Schiedsrichter vor und nach jeder Partie zum Zeichen von Respekt und Solidarität offiziell die Hand und setzen damit ein starkes Zeichen für Freundschaft und Frieden.

Es folgten Berichte zur Arbeit der FIFA in den Bereichen Dritteigentum an wirtschaftlichen Spielerrechten und Fussballförderung – der Hauptaufgabe der FIFA – sowie zu den Initiativen zur Förderung des Frauenfussballs, dies nur eine Woche vor dem Beginn der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™, die 2015 in Kanada erstmals mit 24 Teams ausgetragen wird.

Ebenfalls präsentiert wurde die medizinische Arbeit der FIFA – insbesondere Prävention und Gesundheitsförderung –, nachdem die FIFA in dieser Woche für alle Mitgliedsverbände ihre dritte medizinische Konferenz veranstaltet hatte.

In seiner Eigenschaft als unabhängiger Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission informierte Domenico Scala über die beträchtlichen Änderungen bei den Compliance-Verfahren, die im Rahmen des Good-Governance-Prozesses eingeführt wurden. "Die FIFA verfügt über ein Compliance-System, das materielle Verstöße gegen ihre Statuten und Bestimmungen erkennen kann (...). Wir müssen nun dafür sorgen, dass dies nicht nur für die Spitze der Fussballpyramide gilt. Wir müssen alle die Umsetzung von transparenten und haftpflichtigen Strukturen, Verfahren und Instrumenten auf Konföderations- und Landesebene vorantreiben und unterstützen", sagte Domencio Scala.

Der Kongress genehmigte ferner die konsolidierte Jahresrechnung 2014, die konsolidierte Vierjahresrechnung 2011–2014 und das Budget 2016. Auf Empfehlung der Audit- und Compliance-Kommission der FIFA ernannte er KPMG zudem zum FIFA-Buchprüfer für die Geschäftsperiode 2015–2018.

Im Weiteren wurden die neuen FIFA-Vizepräsidenten und Mitglieder des Exekutivkomitees vom Kongress offiziell eingesetzt. Zudem wurden die Amtszeiten von Moya Dodd und Sonia Bien Aime als berufene weibliche Mitglieder des Exekutivkomitees für ein weiteres Jahr verlängert.

Die folgenden Kandidaten wurden für die restliche Amtszeit in folgende Rechtsorgane gewählt:

• Dr. Cornel Borbély (Schweiz): Vorsitzender der Untersuchungskammer der Ethikkommission

• Jacques Lambert (Frankreich): Mitglied der Untersuchungskammer der Ethikkommission

• Cristian Varela (Chile): Mitglied der Disziplinarkommission

• Mahmoud Hammami (Tunesien): Mitglied der Disziplinarkommission

Der Kongress wurde schließlich ebenfalls über die Arbeiten am FIFA-Weltfussballmuseum informiert, das im nächsten Jahr in Zürich eröffnet wird.

Die nächsten FIFA-Kongresse finden in Mexiko-Stadt (12. und 13. Mai 2016) und Kuala Lumpur (10., 11. und 12. Mai 2017) statt.