Der 58. FIFA-Kongress verabschiedete heute in Sydney mit einer überwältigenden Mehrheit (155 gegen 5 Stimmen) eine Resolution zu "6+5" (siehe Resolution unten).

In seiner Ansprache an den Kongress hatte der FIFA-Präsident zuvor erklärt: "Wir wollen uns dem geltenden Recht nicht widersetzen. Für Europa wollen wir die rechtliche Grundlage des Vertrags von Lissabon nutzen, der die Besonderheit des Sports sowie seiner Strukturen und Organisationen anerkennt und am 1. Januar 2009 in Kraft treten wird. Wir setzen auf Konsens und nicht auf Konfrontation."

Vor der Abstimmung stellten sich mehrere Redner hinter die Ziele von "6+5". UEFA-Präsident Michel Platini hielt etwa fest: "6+5 wird zwar als nicht kompatibel mit europäischem Recht angesehen, dennoch steht die UEFA voll und ganz hinter der Philosophie und den Zielen von 6+5. Die UEFA unterstützt die vorliegende Resolution ohne Wenn und Aber. Wir werden dem FIFA-Präsidenten mit allen Mitteln dabei helfen, die Ziele, die heute hier vorgelegt wurden, zu erreichen."

Franz Beckenbauer, Vorsitzender der FIFA-Fussballkommission, erklärte seinerseits: "Wir alle bedauern, dass England bei der Euro 2008 nicht dabei ist. Tausende englische Fans kamen nach Deutschland zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006. Sie alle haben zu dieser tollen Stimmung beigetragen. Es ist wirklich bedauerlich, dass sie dieses Mal fehlen. Nicht nur England ist von der aktuellen Lage betroffen, auch andere Länder leiden darunter. Vielleicht bald auch Deutschland. Wir haben 6+5 in der Fussballkommission erörtert und uns einstimmig für das Konzept ausgesprochen. Wir müssen mit der Europäischen Union eine Lösung finden."

Theo van Seggelen, Generalsekretär der FIFPro, der weltweit und nicht nur in Europa 60 000 Profifussballer angehören, sagte seinerseits: "Um Profi zu werden, benötigt ein Spieler eine gute Ausbildung. Klubs müssen Zeit und Geld in die Ausbildung der Spieler investieren. Training ist unabdingbar. Gleichzeitig muss ein Spieler aber auch spielen können. Ein Profispieler hat den Durchbruch erst geschafft, wenn er für seinen Klub auch zum Einsatz kommt, und das während mindestens einigen Jahren. Nach Möglichkeit sollte dies bei dem Klub geschehen, der ihn ausgebildet hat. FIFPro ruft die Präsidenten der FIFA und der UEFA dazu auf, alle Möglichkeiten im gesetzlich zulässigen Rahmen zu prüfen, um die Ziele von 6+5 zu erreichen."

Die Verbände Australiens, Guatemalas und Saudiarabiens meldeten sich während des Kongresses ebenfalls zu Wort und stellten sich hinter "6+5", wobei sie betonten, dass deren Ziele nicht nur Europa, sondern alle Kontinente betreffen würden.

VOM FIFA-KONGRESS VERABSCHIEDETE RESOLUTION

Der FIFA-Kongress hat am 29./30. Mai 2008 in Sydney beschlossen:

- die Ziele der "6+5"-Regel, wie sei bei diesem Kongress dargelegt wurden, vollumfänglich zu unterstützen,

- den FIFA- und den UEFA-Präsidenten damit zu beauftragen, für Europa mit der Welt des Sports, den Akteuren des Fussballs, dem Internationalen Olympischen Komitee und den internationalen Verbänden weiterhin alle möglichen Mittel im gesetzlich zulässigen Rahmen auszuschöpfen, um sicherzustellen, dass die grundlegenden sportlichen Ziele erreicht werden,

- den FIFA-Präsidenten zu ermächtigen, sofern erforderlich, auf den anderen Kontinenten zusammen mit den zuständigen Konföderationen ähnliche Schritte einzuleiten.

Informationen zu "6+5"

HINTERGRUND
- Die Pfeiler des Fussballs sind Harmonie und Gleichgewicht zwischen dem Verbandsmannschafts- und dem Klubfussball.

- Der Verlust der nationalen Identität der Klubs gefährdet die Verbandsmannschaften und hat die Kluft zwischen den Klubs vertieft, womit die bestehenden finanziellen und sportlichen Gegensätze zwischen den Klubs noch stärker und die Klubwettbewerbe noch einseitiger und berechenbarer werden.

- Die Wahrung der Erziehung und der Ausbildung junger Spieler, ausbildender Klubs und der Werte von Einsatz und Motivation im Fussball vor allem für junge Spieler ist für den Schutz der Verbandsmannschaften und die Wiederherstellung sportlicher und finanzieller Gleichgewichte im Klubfussball zentral.

- Der Fussball kann seine seit nunmehr 100 Jahren anhaltende weltweite Entwicklung nicht fortsetzen, wenn die Ungleichgewichte zwischen den Kontinenten, den Ländern und Fussballakteuren weiter zunehmen.

DEFINITION VON 6+5
- Ein Klub muss ein Spiel mit mindestens sechs Spielern beginnen, die für das Nationalteam des Landes des betreffenden Klubs spielberechtigt sind.

- Keine Beschränkungen bestehen aber:
a) zur Anzahl nicht spielberechtigter Spieler, die ein Klub unter Vertrag nehmen darf, und
b)bezüglich Auswechselspieler, um die Trainer keinen Einschränkungen zu unterwerfen, die nicht sportlicher Natur sind (möglicherweise 3+8 am Spielende).

ZEITPLAN VON 6+5
6+5 soll schrittweise ab der Saison 2010/2011 eingeführt werden, damit die Klubs ausreichend Zeit haben, ihre Teams in den nächsten Jahren entsprechend anzupassen:
- 4+7 für 2010/2011
- 5+6 für 2011/2012
- und 6+5 für 2012/2013