Mit 198 Stimmen (99 %) verabschiedete der FIFA-Kongress, der heute unter dem Vorsitz von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter auf Mauritius tagte, die Änderungen der FIFA-Statuten (Tagesordnungspunkt 13.1.1) und bestätigte damit mit überwältigender Mehrheit seine Unterstützung für den seit 2011 laufenden Governance-Reformprozess. In den letzten beiden Jahren und nach einem Konsultativprozess mit Fussballinstanzen und Persönlichkeiten ausserhalb des Fussballs – Kongress, Konföderationen, Mitgliedsverbände, FIFA-Exekutivkomitee, FIFA-Arbeitsgruppen sowie der unabhängigen Kommission für Governance, deren Vorsitzender Prof. Mark Pieth sich heute an den Kongress gewandt hat – hat die FIFA ihre Führung und Transparenz mit verschiedenen und weitgehenden Reformen gestärkt und sich so auf einen neuen Kurs gebracht.

Unter anderen wurden seit Juni 2011 folgende wichtige Beschlüsse gefasst:

  • Restrukturierung der Ethikkommission mit einem neuen System mit zwei Kammern (Untersuchungskammer und rechtsprechende Kammer) mit je einem unabhängigen Vorsitzenden
  • Bildung einer Audit- und Compliance-Kommission, wodurch die Zuständigkeiten der früheren Auditkommission durch Hinzufügen von Compliance-Aufgaben erweitert wurden, mit einem unabhängigen Vorsitzenden
  • Annahme eines neuen Ethikreglements und Verhaltenskodex
  • Wahl einer Frau und Berufung von zwei Frauen ins FIFA-Exekutivkomitee
  • Der Kongress bestimmt auf der Grundlage einer Vorauswahl von bis zu drei Bewerbungen durch das FIFA-Exekutivkomitee den Ausrichter der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. Zudem darf der Kongress gleichzeitig nur den Austragungsort einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ bestimmen.
  • Personen, die ein offizielles FIFA-Amt als Präsident, Vizepräsident, weibliches Mitglied oder weiteres Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees oder als Vorsitzender, Vizevorsitzender oder Mitglied der Audit- und Compliance-Kommission oder der Rechtsorgane innehaben oder sich um ein solches Amt bewerben, werden vor ihrer Wahl oder Wiederwahl einer Leumundsprüfung unterzogen.
  • Eine Kandidatur für das Amt des FIFA-Präsidenten ist nur gültig, wenn sie von insgesamt mindestens fünf Mitgliedsverbänden unterstützt wird und der Kandidat in den letzten fünf Jahren vor seiner Kandidatur während zweier Jahre eine aktive Rolle im Association Football gespielt hat.
  • Stärkere Vertretung der wichtigsten Parteien im Fussball
  • Stärkerer und genauerer Wortlaut in den FIFA-Statuten zur Förderung von Ethik und zur Bekämpfung von Diskriminierung
  • Abschaffung des Rechts der britischen Verbände, einen FIFA-Vizepräsidenten zu wählen; der entsprechende Sitz des FIFA-Vizepräsidenten bleibt bei der UEFA.
  • Der IFAB (International Football Association Board) reformiert sich selbst.

Da unter den Mitgliedsverbänden und Konföderationen zu den Tagesordnungspunkten "Altersbeschränkung" und "Amtszeitbeschränkung" kein Konsens erzielt wurde, beschloss der Kongress, die beiden Punkte auf den Kongress im nächsten Jahr zu vertagen, damit sie weiter analysiert und konkrete Vorschläge erarbeitet werden können.

Ein weiterer wichtiger Beschluss des Kongresses war nach der Rede von FIFA-Vizepräsident Jeffrey Webb, dem Vorsitzenden der FIFA-Arbeitsgruppe gegen Rassismus und Diskriminierung, die überwältigende Verabschiedung der Resolution gegen Rassismus und Diskriminierung, die in dieser Woche bereits vom Exekutivkomitee gutgeheißen worden war. Die Resolution basiert auf den Grundsätzen Aufklärung, Prävention und Bestrafung. Sie sieht sportliche Sanktionen wie Punktabzüge und Zwangsabstieg vor. Die Verabschiedung der Resolution wurde vom Kongress mit einer stehenden Ovation gefeiert, ebenso die Ansprache von Tokyo Sexwale, dem südafrikanischen Minister für Menschensiedlungen und ehemaligen Häftling von Robben Island.

Der Kongress schrieb zudem Geschichte, als er erstmals offiziell eine Frau ins FIFA-Exekutivkomitee wählte. Lydia Nsekera (Burundi), die vor einem Jahr in die Exekutive berufen worden war, wurde mit 95 Stimmen für vier Jahre gewählt. Sie setzte sich damit gegen Moya Dodd (Australien, 70 Stimmen) und Sonia Bien-Aime (Turks- und Caicos-Inseln, 38 Stimmen) durch, die ihrerseits für ein Jahr ins Exekutivkomitee berufen wurden.

Die Vorsitzenden, Vizevorsitzenden und Mitglieder der Rechtsorgane (Disziplinarkommission, Berufungskommission und Ethikkommission) sowie der Audit- und Compliance-Kommission wurden vom Kongress ebenfalls gewählt.

"Die überwältigende Unterstützung des Kongresses für die Reformen, die ich angestoßen habe, beweisen, dass unsere Organisation auf dem richtigen Weg ist. Das bedeutet aber nicht, dass unsere Governance-Reform abgeschlossen ist. Wir machen weiter. Ich freue mich insbesondere, dass sich die weltweite Fussballgemeinschaft mit der Verabschiedung einer Resolution zum Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung verpflichtet und ein starkes Zeichen gesetzt hat. Und ich bin sehr glücklich, dass wir – endlich! – eine Frau ins FIFA-Exekutivkomitee gewählt und zwei weitere in die Exekutive berufen haben", sagte der FIFA-Präsident.

Domenico Scala berichtete in seiner Funktion als unabhängiger Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission erstmals über die konsolidierte Jahresrechnung der FIFA, die auf Empfehlung seiner Kommission für das Jahr 2012 einstimmig genehmigt wurde. Das FIFA-Budget 2014 wurde ebenfalls genehmigt. Der Kongress beschloss zudem, die Pflicht für Mitgliedsverbände abzuschaffen, der FIFA für internationale Spiele eine Abgabe zu zahlen (gültig ab 1. Januar 2015).

Nach dem Bericht von Michel D’Hooghe, dem Vorsitzenden der Medizinischen Kommission der FIFA, zur Arbeit der FIFA in den Bereichen Medizin und Gesundheit, präsentierte FIFA-Chefarzt Prof. Jiří Dvořák die neue FIFA-Notfallmedizintasche, die allen 209 FIFA-Mitgliedsverbänden abgegeben wird und einen Automatischen Externen Defibrillator (AED), ein Lehrvideo und medizinische Notfallausrüstung enthält. Danach beschloss der Kongress einstimmig, das Programm "FIFA 11 für die Gesundheit" bis 2019 auszuweiten.

Der Kongress sprach sich zudem dafür aus, das Spielervermittlerreglement wie folgt zu ändern: Abschaffung des bestehenden Lizenzierungssystems, Erlass von Mindeststandards und Einführung eines Registrierungssystems für Vermittler. Der Schlussentwurf des Reglements zur Arbeit mit Vermittlern wird dem Exekutivkomitee und dem FIFA-Kongress 2014 vorgelegt.

Es folgte ein ausführlicher Bericht zum fortwährenden Kampf der FIFA gegen Spielmanipulationen zum Schutz der Integrität des Fussballs. Die FIFA-Integritätsinitiative basiert auf Prävention, Entdeckung, Informationsbeschaffung, Ermittlung, Sanktionen und dem FIFA-Integritätsteam. Mit der vollen Unterstützung des Kongresses rief der FIFA-Präsident die Öffentlichkeit und die Polizeibehörden erneut dazu auf, den Fussball im Kampf gegen Spielmanipulationen noch stärker zu unterstützen.

Der Kongress beauftragte den FIFA-Präsidenten im Weiteren, sich für eine Verbesserung der Situation des Fussballs in Palästina einzusetzen, insbesondere damit die FIFA ihre Mission zur Entwicklung und Förderung des Fussballs gemäß FIFA-Statuten umsetzen kann.

Die Delegierten wurden ferner über die FIFA-Programme zur Fussballförderung, einschließlich des neuen Allgemeinen Reglements für Entwicklungsprogramme, sowie die FIFA-Initiativen für das Schiedsrichterwesen und die Vorbereitung der Schiedsrichteranwärter für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ informiert.

Die Fussballförderung war nicht bloß ein Punkt auf der Tagesordnung, sondern wurde auch konkret, als Hunderte begeisterte Kinder aus Mauritius vor der Kongresshalle Übungen des FIFA-Kinderfussballprogramms und des Programms "FIFA 11 für die Gesundheit" demonstrierten.

Der amtierende CONMEBOL-Präsident Eugenio Figueredo (Uruguay), AFC-Präsident Salman bin Ebrahim al-Khalifa (Bahrain), Zhang Jilong (VR China), Lydia Nsekera (Burundi), Moya Dodd (Australien) und Sonia Bien-Aime (Turks- und Caicos-Inseln) wurden offiziell ins FIFA-Exekutivkomitee eingesetzt.

Der Kongress ehrte zudem den englischen Fussballverband, der in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, und Marcel Mathier, den ehemaligen Vorsitzenden der FIFA-Disziplinarkommission, für dessen 15-jährige Tätigkeit.

Mit Ausnahme von Bhutan (wegen nationaler Wahlen) waren alle FIFA-Mitgliedsverbände beim Kongress 2013 vertreten. Gemäss Art. 14 Abs. 4 der FIFA-Statuten war der Fussballverband von Brunei Darussalam nicht stimmberechtigt.

Die nächsten Kongresse finden in São Paulo (10./11. Juni 2014) und Zürich (28./29. Mai 2015) statt.